Übersichtsarbeit


Eine Berliner Verlegerfamilie 1929–2019 und die Zeitschrift Kosmetische Medizin 1952–2019

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Schlüsselworte

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Summary

In this article I tell the exciting story of our family publishing house, which was founded in 1929. The story of the closing of the publishing house by the National Socialists and the re-establishment of the publishing house after the war, as the most important publishing house for German dermatology from 1946 onwards, I would like to tell you here. In addition to our family history, the history of the journal Kosmetische Medizin is described in detail.

Zusammenfassung

In diesem Beitrag erzähle ich die spannende Geschichte unseres Familienverlages, der 1929 gegründet wurde. Die Geschichte mit Schließung des Verlags durch die Nationalsozialisten und die Neugründung des Verlags nach dem Krieg, als dem wichtigsten Verlag für die deutschsprachige Dermatologie ab 1946, möchte ich Ihnen hier gerne näherbringen. Neben unserer Familiengeschichte wird die Geschichte der Zeitschrift Kosmetische Medizin detailliert beschrieben.


EINLEITUNG

Nach dem 2. Weltkrieg und dem Ende des Nationalsozialismus, hat neben den Verlagen Julius Springerund Thieme, kein anderer Verlag die deutschsprachige Dermatologie so beeinflusst, wie die Berliner Medizinische Verlagsanstalt, jetzt Gesundheitsmedien und Congress GmbH. Trotz vieler Turbulenzen und Umbrüche haben wir unsere Unabhängigkeit als familiengeführtes Unternehmen bewahren können. In diesem Jahr begehen wir zwei Jubiläen:

90 Jahre Verlegerschaft und 40 Jahrgänge Kosmetische Medizin.

 

Bereits als kleiner Junge haben mich die Zeitschriften unseres Hauses fasziniert. Nicht nur mein Vater, sondern auch die sehr geschichtsbewussten Dermatologen haben mein Interesse an allgemeiner Geschichte und der Geschichte der Dermatologie im Besonderen befeuert. Wir werden heute mit vielen Umbrüchen konfrontiert. Die Generation der nach 1989 geborenen haben kaum Interesse an Geschichte. Sie kennen keine Grenzen innerhalb Deutschlands und Europas. Ihnen ist nicht bewusst, wie sehr vorherige Generationen ihr Leben einsetzten, um für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Unsere heutige pluralistische Gesellschaft und unser Reichtum kommt nicht von ungefähr. Wir haben es den Menschen zu verdanken, über die ich hier schreibe.

 

1929–1933

Mein Großvater Eduard Grosse IIIgründete 1929 einen Verlag, der unter anderem die Zeitschrift Der Junggeselleund das Organ des Berliner Radsport Verbands e.V. herausbrachte. In dieser Zeit lernte er den Dermatologen Ludwig Levy-Lenz, der neben seiner ärztlichen Tätigkeit Herausgeber der Zeitschrift Die Ehe. Monatsschrift für Ehe – Wissenschaft und Kulturund später der Kosmetischen Medizin, kennen. Zu seinem Freundeskreis zählte auch der Dermatologe Erich Langer, der zusammen mit Ludwig Levy-Lenz, die wichtigsten Mitstreiter unseres Verlages nach dem Krieg werden sollten. Beiden jüdischen Dermatologen widme ich eigene Kapitel in dieser Ausgabe.

Verleger Eduard Grosse III.

 

Mein Großvater sah, wie nur wenige andere, die dunklen Wolken des Nationalsozialismus am Horizont aufziehen. Als überzeugter Demokrat und Verfechter der noch jungen deutschen Demokratie, veröffentlichte er Bücher mit Titeln wie Wer Hitler wählt, wählt den Kriegoder Hitler – Das Ende Deutschlands! Aus diesem Grund wurde gleich nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten der Verlag geschlossen und Eduard Grosse III.einige Monate, zusammen mit vielen anderen Demokraten, interniert. Mit Hilfe eines Cousins, der bei der SA war, kam er jedoch wieder frei. Blut war dann doch dicker als der Glaube an den Führer.

 

Da er begeisterter Radfahrer war und viele Jahre dem Berliner Radsport Verband e.V. vorstand, gründete er eine Fahrradfabrik. Einer seiner Brüder eröffnete einen Fahrradladen in der Wiener Straße in Kreuzberg, über den die hergestellten Fahrräder verkauft wurden.

 

1943–1945: WIEDERSTAND GEGEN DAS REGIME

Um den vielen Bombenangriffen zu entfliehen, wurde mein Vater Eduard Grosse IVauf ein Internat in Waldsieversdorf bei Berlin geschickt, auf das auch viele Sprösslinge des Preußischen Adels gingen. 1943 – in einem Straßengraben – gründeten er und ein paar Freunde, darunter der spätere Soziologe und Präsident der London School of Economics, Sir Ralf Dahrendorf, den Freiheitsbund Höherer Schüler Deutschlands, um etwas gegen den Terror des Naziregimes zu unternehmen. Mitgründer Harald Müllererinnert sich:

 

Wir haben Flugblätter hergestellt und Eisenbahnwaggons angemalt, diese Flugblätter haben wir am Alexanderplatz aus einem Kaufhaus runtergeschmissen, am hellichten Tage. Wir haben nicht nur eigene Flugblätter verbreitet, sondern es gab ja viele Luftangriffe, wo die Alliierten Flugblätter abgeworfen haben, die haben wir gesammelt und nochmal verteilt… Wir sehnten die Niederlage des Nationalsozialismus herbei. Jede Nacht wurden die ausländischen Sender abgehört. Also mit dem Herzen auf der alliierten Seite, als deutscher junger Mensch, der die Besetzung hier als Befreiung empfunden hat. Aber, wie gesagt, das ist kein Verdienst, wenn ich nicht persönlich, familiär in diese Situation hineingewachsen wäre, wäre ich vielleicht auch Hitlerjunge geworden [1].

Verleger Dr. Eduard Grosse IV.

 

Im November 1944, mit 16 Jahren, erhielt mein Vater den Musterungsbescheid und musste nach Fürstenwalde zur Musterung, wo er sofort von zwei Männern – wie in amerikanischen Filmen – in Schaftstiefeln, Ledermänteln und mit Hüten, deren Krempen heruntergestülpt waren, in Empfang genommen wurde. „Du bist verhaftet, mein Jungchen. Geheime Staatspolizei!“. In der Dienststelle der Gestapo in Fürstenwalde wurde er acht Stunden verhört. Die Namen seiner Kameraden aber, gab er nicht preis. Ein zerschlagener rechter Finger erinnerte ihn sein Leben lang an diese Zeit.

 

Er wurde dann in ein KZ nach Schwetig an der Oder gebracht, wo er zusammen mit Ralph Dahrendorf mehrere Monate unter katastrophalen Bedingungen verbrachte. Nur durch einen Zufall bekam mein Großvater heraus, wo er war und konnte den Lagerkommandanten mit einigen Gemälden, Teppichen und Bargeld bestechen, um ihn und Dahrendorf zu befreien. Sie waren die einzigen, die das Lager überlebten. Alle anderen Insassen wurden kurz vor dem Einmarsch der Roten Armee umgebracht.

 

DER NEUANFANG NACH DEM KRIEG

Ungef.hr drei Wochen nach Kriegsende hielt vor dem halbzerstörten Haus meiner Familie im Berliner Stadtteil Buckow-West eine große russische ZIS-Limousine. Mein Vater war damals Leiter des Antifaschistischen Jugendausschusses Buckow-West. Aus der Limousine stiegen zwei junge Männer. Einer sagte: Mein Name ist Erich Honecker3. Ich suche Eduard Grosse. Der andere stellte sich als Heinz Keßler4vor, der jemanden suchte, eine Zeitschrift für die Jugend herauszugeben. Nach dem Gespräch sagte dann mein Großvater zu meinem Vater: „Junge, sieh Dir vor. Die Beeden haben den kalten Idealismus vonne SS in die Augen. Mach deren ‚Junges Leben‘ nich mit.“ So wurde die Idee geboren, eine eigene Zeitschrift herauszugeben.

 

Der Mitstreiter meines Vaters Harald Müller erinnerte sich:

 

Mit dieser Idee sind wir zu der amerikanischen Militärregierung gegangen, um eine Lizenz zu bekommen. Die haben sich dann ein paarmal mit uns unterhalten, haben festgestellt, daß wir ganz blutjunge Menschen waren und überhaupt gar nicht in der Lage sein würden, selbständig eine Zeitschrift herauszugeben [1].

 

Dann erschien ein Mann in einer fremdartigen Uniform und suchte Eduard Grosse. Diesmal war es aber mein Großvater, der damit gemeint war. Es war der in eine britische Uniform gekleidete Peter de Mendelsohn1, der vor 1933 als freier Autor für meinen Großvater gearbeitet hatte. De Mendelsohnbrachte meinen Großvater mit Dr. Günter Birkenfeld zusammen, der ein recht bekannter Schriftsteller in der Weimarer Republik war. Mein Vater musste dann einen Brief an einen Mr. Bleistein, Kopie an einen Mr. Stefan Heymschreiben und die Pläne für eine neue Zeitschrift darlegen.

 

DIE GRÜNDUNG DES „HORIZONT“

Im September 1945 kam dann die Lizenz der amerikanischen Militärregierung „B 205“ als erste US-Genehmigung für eine Publikation in Berlin. Erst danach erhielten der Tagesspiegel und Andere ihre Lizenzen. Am 9. Dezember erschien dann die erste deutsche freie und demokratische Zeitschrift für junge Menschen seit 1933: die Wochenzeitung der Horizont. Zu den Autoren des Horizontzählten Wolfgang Borchert, Wolf-Dietrich Schnurre, Wolfgang Mischnik, Inge Euler, Herbert Kundler, Stefan Hermlin, Peter Suhrkamp, Max Pechstein, Albert Schweitzer, Karl Schnoog, Elisabeth Langgässer und viele andere, die sich an die deutsche Jugend zur Erhellung des Horizonts wandten.

1983 gründete mein Vater einen neuen Horizont, eine Wochenzeitung für Werbung und Medien. Mein Vater war nämlich über Jahrzehnte ein erfolgreicher Werbemanager, u.a. war er der erste Deutsche nach dem 2. Weltkrieg, der ein an der Börse notiertes amerikanisches Unternehmen führte: FCB Foote, Cone & Belding, damals eine der größten Agenturen weltweit. Bereits Anfang 1946 fing mein Vater zusammen mit anderen Autoren an, sich gegen die Führer der Zentralen Jugendausschüsseder Sowjetischen Besatzungszone und Groß-Berlin zu wenden, weil diese die von unten gewachsenen und teilweise von Mitgliedern des Freiheitsbundes Höherer Schüler Deutschlandsaufgebauten, überparteilichen örtlichen Jugendausschüsse auflösten. Die Antwort war ein Horizont-Leitartikel meines Vaters „Wir wollen keine Staatsjugend!“. Die Gegen-Antwort war ein von Erich Honneckerverfasster und mit einem Pseudonym unterzeichneter Artikel in der Berliner Zeitung vom Februar 1946: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“.

 

Schon zur FDJ-Pfingsttagung in Brandenburg 1946 wurden mein Vater und alle anderen Mitglieder des „Freiheitsbundes Höherer Schüler Deutschlands“ von Erich Honneckerausgeladen. Die weitere Entwicklung ist ja allen bekannt.

Horizont Titelbild 1948 zur Berliner Luftbrücke.

DIE ZEITSCHRIFT FÜR HAUT- UND GESCHLECHTSKRANKHEITEN

Einige Monate nach Gründung des Horizont, erhielt mein Großvater eine weitere Lizenz für die Herausgabe einer Zeitschrift. Es war die Zeitschrift für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Der jüdische Arzt Erich Langer, ein Freund meines Großvaters, hatte ihn überzeugt. Durch die Massenvergewaltigungen der Roten Armee – einige Schätzungen gehen von einer Vergewaltigungsrate alleine in Berlin, in Höhe von 90 % der weiblichen Bevölkerung aus, brach eine Welle von Geschlechtskrankheiten, teilweise unbekannter Art über die Bevölkerung herein. Auch viele Amerikanische

GI’s wurden über ihre deutschen „Fräuleins“ angesteckt, was die Amerikanische Militärregierung bewog, meinem Großvater die Lizenz zu erteilen. Erich Langerwar bis zu seinem Tode im Jahr 1957 Herausgeber. Ihm folgten sein engster Freund und Schüler Heinz Grimmer(1913–1982 – später Direktor der Hautklinik der Städtischen Klinik Wiesbaden) und dann Gerd Klaus Steigleder (geb. 1925, Direktor der Hautklinik der Universität Köln). Die Zeitschrift existierte bis 2003 und wurde dann zum JDDG der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft beim Wiley-Blackwell Verlag.

Dr. Günter Birkenfeld in seinem Büro 1947.

Die H+G war der Startschuss für die Gründung der Berliner Medizinischen Verlagsanstalt durch meinen Großvater. Der Verlag entwickelte sich zum größten deutschen Verlag mit dermatologischem Schwerpunkt. Nach der H+G kamen weitere Zeitschriften hinzu: Der Deutsche Dermatologe, mykosenund andrologia. Ab September 1952 wurde der Deutschland-Vertrieb der amerikanischen Zeitschrift Postgraduate Medicineübernommen. Neben den Zeitschriften wurden auch viele wichtige Bücher, nicht nur im Bereich der Dermatologie, veröffentlicht.

Redaktionsbüro der Zeitschrift für Haut- und Geschlechtskrankheiten 1947.

KOSMETISCHE MEDIZIN 1952–1967

Am 20. April 1952 erschien die erste Ausgabe von Kosmetische Medizin, damals noch unter dem Titel Journal für Medizinische Kosmetik und Sexologie. Ich habe mich immer gewundert, warum Sexologie im Titel geführt wurde. Der Terminus bezieht sich auf den ersten Herausgeber Ludwig L. Lenz(Kairo), auf den ich im Portrait auf nachfolgenden Seiten detaillierter eingehen werde.

1952 wurden in Ägypten die Zensurbestimmungen verschärft, die den Briefverkehr mit Lenz sehr erschwerten. Heutzutage kaum vorstellbar, mit all den technischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte. Der Verlag sah sich deshalb veranlasst, die Leitung der Redaktion in die Hände des Ko-Gründers der Zeitschrift, nämlich Heinrich Karl Mayr(Berlin) zu legen. Unter ihm wurde dann die Sexologie aus dem Titel gestrichen. Ab 1957 hieß die Zeitschrift Medizinische Kosmetikund ab 1960 Ästhetische Medizin – Medizinische Kosmetik. Lenz schrieb über die Jahre noch viele Arbeiten und blieb bis zu seinem Tode der Zeitschrift eng verbunden.

 

Behandelt wurde eine ganze Breite an Themen, die für uns heute unvorstellbar sind. In Ausgabe 1 erschienen u.a.: „Zur Psychologie des Gattenmordes“ (J. Dück, Innsbruck), „Hypnose-Therapie sexueller Störungen“ (K. Schmitz, München) oder „Pornographie als Therapeutikum“ (Ludwig L. Lenz, Kairo). Auch in der Rubrik Fragen und Antworten gab es kurioses: „Ist Homosexualität heilbar?“ oder: „Warum hat die Frau zwei Brüste?“.

 

Der Schwerpunkt lag jedoch bei Themen, die uns heute noch interessieren und aktueller kaum sein können: „Wann sind Lippen-Kiefer-Gaumenspalten zu operieren?“ (Rudolf Ullick, Wien) „Fettsucht und Entwässerung“ (K. Fellinger und V. Lachnit, Wien), „Die moderne Technik der Varizenverödung“ (K. Sigg, Binningen, Schweiz), „Hautunterpolsterungen im Gesicht“ (Ernst Eitner, Wien), „Faltenentfernung am oberen Augenlid“ (Ludwig L. Lenz, Kairo) und „Sonnenlicht und Haut“ (F. Asbeck, Lübeck).

 

DIE ZEITSCHRIFT UNTER THEODOR SCHREUS

Ab 1954 übernahmen Hans Theodor Schreus(Düsseldorf) und K. Halter(Berlin) die Schriftleitung der Zeitschrift. Schreus (1892–1970) wurde 1930 auf den Lehrstuhl für Dermatologie, Venerologie und Röntgenologie der Medizinischen Akademie Düsseldorf berufen, den er dreißig Jahre innehaben sollte. Zugleich wurde er Direktor der Hautklinik der städtischen Krankenanstalten. Seit Beginn der 1920er Jahre widmete er sich der Standardisierung der Strahlentherapie und physiologisch-chemischen Fragestellungen. Durch ihn wurde die Salvarsan-Sättigungsbehandlung eingeführt und ab 1942 die Chlorzink-Schnellätzung bei Basaliomen beforscht [2].

 

Der Einsatz von Schreus für eine den ganzen Menschen erfassende „Ästhetische Medizin“ ist ein Spezifikum des versuchten geistigen Neubeginns in den 50er Jahren. Er hatte die Bereitschaft vieler Ärzte erfasst, Reformmodelle aus der Zeit vor und nach dem 1. Weltkrieg, die durch den Nationalsozialismus erstickt waren, aufleben zu lassen. Es gehört in die geistige Aufbruchstimmung der 50er Jahre, dass einem Menschenbild in seiner ästhetischen Ganzheit neue Aufmerksamkeit zugewandt wurde [2].

 

1955 wurde die Deutsche Gesellschaft für die gesamte Ästhetische Medizin und ihre Grenzgebietegegründet. Dank Schreus, der Initiator der Gesellschaft war, machte er die Zeitschrift zum Kongressorgan der neu gegründeten Gesellschaft. Nach schwerer Erkrankung von Schreus und der Auflösung der Deutschen Gesellschaft für die gesamte ästhetische Medizin und ihre Grenzgebiete, musste die Zeitschrift eingestellt werden.

 

KOSMETISCHE MEDIZIN 1995–2019

1995 trat Hagen Tronnier an mich mit der Idee heran, die .sthetische Medizin wieder ins Leben zu rufen. Im Gegensatz zum Ausland würde die Dermato-Kosmetologie in Deutschland nur stiefmütterlich behandelt und die etablierten dermatologischen Zeitschriften so gut wie keine Arbeiten zum Thema ver.ffentlichen. Die Dermatologen sahen sich vielen Fragen von Patienten zu neuartigen Behandlungsmethoden im Bereich Kosmetik konfrontiert, die sie oft nicht beantworten konnten. Neue Wirkstoffe drangen auf den Markt und die Behandlung mit Lasern hielt Einzug in die Praxen. Tronnier sowie sein Kollege Wolf-Ingo Worret glaubten an die Zukunft dieser recht neuen Disziplin der Kosmetologie. Ich stimmte ohne zu z.gern zu, und nachdem ich meinen Vater überzeugen konnte, stürzten wir uns sofort in die Planung für die neue Zeitschrift. Da wir nicht nur die .rzteschaft ansprechen wollten, sondern auch medizinische Kosmetikerinnen, die nicht nur Aknepeelings durchführten, gaben wir der Zeitschrift anstatt den ursprünglichen Namen Ästhetische Medizin, Kosmetische Medizin.

Neustart von Kosmetische Medizin 1996.

Mit der ersten Ausgabe wurde Kosmetische Medizin das Organ der neugegründeten Arbeitsgemeinschaft für Dermatologische Kosmetologie e.V. in der DDG (ADK). Das Redaktionskollegium bestand aus Max Gloor (Karlsruhe), Friedrich Schiller (Bad Sulza), Hagen Tronnier (Witten-Herdecke) und Wolf-Ingo Worret (München) als Chefredakteur. In seinem Geleitwort zur ersten Ausgabe schrieb Tronnier:

 

Bei der Fülle der Informationen, die heute jeden Arzt erreichen, sind die Anforderungen an eine neue Zeitschrift, will sie erfolgreich sein, sehr hoch. Sie muss von der Thematik eine Lücke füllen, aber gleichzeitig muss ihr Inhalt interessant und für die ärztliche Arbeit wichtig und nützlich sein. Sie muss dem heutigen Standard entsprechen, aber gleichzeitig und ergänzend informativ sein.

 

Ich denke, diesen Ansprüchen sind wir bis heute treu geblieben. Nach einem Streit zwischen Worret und meinem Vater, der damals noch Verleger war, kündigte Worret 2001 die Chefredaktion und auch die ADK kündigte daraufhin ihre Organschaft auf. Für den Verlag war es nicht leicht, einen passenden Nachfolger für die Chefredaktion zu gewinnen. Es ist ja nicht nur ein zeitlicher Aufwand, eine Zeitschrift zu führen, sondern derjenige muss auch ein guter Schreiber mit guten Verbindungen und eine anerkannte Person in seiner Disziplin sein. In Uwe Wollina (Dresden) fanden wir einen würdigen Successor und die Zusammenarbeit mit ihm ist eine wahre Freude. Er war es auch, der mich überzeugte eine englischsprachige Ausgabe als Cosmetic Medicine herauszugeben, die – als Organ der European Society of Cosmetic and Aesthetic Dermatology und der Cosmetic Dermatology Society of India– bereits im 4. Jahrgang erscheint.

Titelbild der ersten Ausgabe von Cosmetic Medicine 2015.

Über die Jahre konnten wir wichtige Fachgesellschaften für die Zeitschrift gewinnen: Österreichische Gesellschaft für Dermatologische Kosmetik und Altersforschung(ÖDGKA), Arbeitsgemeinschaft Ästhetik und Dermatologische Institute e.V.(AADI), Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin Therapie e.V.(DGBT), das Netzwerk Globalhealthund die Austrian Academy of Cosmetic Surgery and Aesthetic Medicine(AACSM). In den kommenden Ausgaben werden wir Ihnen jede einzelne Gesellschaft vorstellen.

 

BÜCHER VERSCHIEDENSTER FACHDISZIPLINEN

Zeitschriften waren und sind nicht unser einziges Betätigungsfeld. Die enge Bindung zwischen Verlag und Autoren erlaubte uns, viele Bücher bzw. Buchreihen zu veröffentlichen, die zu Bestsellern wurden. Durch unsere Zeitschrift andrologiahatten wir gute Kontakte zu Ärzten, die sich mit der Fertilität des Mannes und der Frau beschäftigten. Sterilität – Diagnose und Therapie endokriner Fertilitätsstörungen der Frauvon Vaclav Inslerund Bruno Lunenfeldwurde nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Japanisch veröffentlicht. Psychosomatik der ungewollten Kinderlosigkeit von Manfred Stauber, wurde als bester wissenschaftlicher Beitrag auf dem Gebiet der psychosomatischen Medizin im deutschsprachigen Raum mit dem Roemer-Preisausgezeichnet und erschien in drei Auflagen. Das Buch Schilddrüsenkrankheiten – Diagnose und Therapievon Peter Pfannenstiel, später mit den Autoren Lothar-Andreas Hotzeund Bernhard Sallerwar das medizinische Buch mit der höchsten Auflage im deutschsprachigen Raum, was wir der Firma Henning – jetzt Sanofi-Aventis – zu verdanken hatten, die pro Jahr 10–15 Tausend Exemplare kauften und kostenlos an Medizinstudenten verteilten. Das ist durch den vor mehr als zehn Jahren eingeführten Verhaltenskodex der Pharmaindustrie heutzutage undenkbar. Hier sollte die Pharmaindustrie umdenken. Viele Bücher können in der heutigen Zeit nicht veröffentlicht werden, da der Industrie durch ihren Verhaltenskodex die Hände gebunden sind und die hohen Kosten für Redaktion und Druck nicht mehr finanzieren dürfen.

100 Jahre Hautklinik Essen von PD Dr.med. Thomas Jansen.

 

Anatomie des Gesichts von Prof. Friedrich Anderhuber und Dr. Ulrike Pilsl.

1983 erschien ein erster großer Artikel zum Thema AIDS im Time Magazine: Disease Detectives – Tracking the Killers – The AIDS Hysteria. Mein Vater war so begeistert, dass er beim amerikanischen Verlag anfragte, ob er den Artikel auf Deutsch veröffentlichen dürfe und bekam das Okay. Kurz darauf starteten wir eine Buchreihe: AIDS – Neuere Erkenntnisse(Herausgeber: Gerd Klaus Steigleder). 1986 wurde der erste Band zum AIDS-Buch des Jahres gekührt.

 

Ich könnte viele weitere Titel auflisten, aber ich denke dem ist Genüge getan, bis auf das in diesem Jahr erschienene Buch Anatomie des Gesichts – Grundlagen für Ästhetische Anwendungenvon Friedrich Anderhuberund Ulrike Pilsl.

 

EIN KÜNSTLER UND DIE ZEHN NOBELPREISTRÄGER DER MEDIZIN DER CHARITÉ

1995 saßen mein Vater, Ferry Ahrléund ich in illustrer Runde bei einem Italiener in Berlin. Ahrlé, ein bekannter Künstler mit eigener Sendung im deutschen Fernsehen, fragte meinen Vater, wieviele deutsche Nobelpreisträger es gäbe. Mein Vater wusstees nicht. Ahrl. hatte die Idee, Portraits der Nobelpreisträgeranzufertigen. Er fuhr daraufhin nach Lindau, wo die jährlichen Nobelpreisträgertagungen stattfinden und recherchierte im Archiv.

Prof.Dr. Barbara Sickmüller (BPI e.V.), Ferry Ahrlé und Dr. Eduard Grosse bei der Überreichung der Porträts der zehn Nobelpreisträger an die Charité, 2006.

Es stellte sich heraus, dass alleine zehn Nobelpreisträger an der Charité in Berlin geforscht hatten. Daraus wurde die Idee geboren, zusammen mit der Firma Berlin Chemie, einen Kalender mit den zehn Portraits der Berliner Nobelpreisträger herauszugeben. Es wurde ein großer Erfolg. 2006 überreichten wir mit einem Festakt im Medizinhistorischen Museum der Charité, die zehn Originalportraits an Detlev Ganten, dem damaligen Vorsitzenden der Charité. Die Portraits hängen heute im Flur der Klinikdirektion.

Eduard Douglas Grosse V hält eine Ansprache anlässlich des Festaktes der zehn Nobelpreisträger, 2006.

Noch viele Geschichten könnte ich in diesen Beitrag einbringen, das würde jedoch den Rahmen dieser Ausgabe sprengen. Ein Buch zur Familiengeschichte ist in Arbeit und wird voraussichtlich nächstes Jahr erscheinen. Ich wünsche uns weitere 90 Jahre Kreativit.t und Schaffenskraft und das Kosmetische Medizinund Cosmetic MedicineIhnen, liebe Leser, weiterhin viel Freude und Wissen vermittelt.

 

Korrespondenz-Adresse

Douglas Grosse
GMC Gesundheitsmedien und Congress GmbH
Mommsenstraße 30
D-10629 Berlin
grosse@gmc-medien.de

Conflict of Interests

None

Literatur

1. Interview Michael Schmidt mit Dr. Harald Müller.
2. Jung, EG (2005) 30 Jahre Aktuelle Dermatologie – Ein Jubiläumsband. Thieme Verlag. S. 19.

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