Übersichtsarbeit

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Weichteile des Gesichts Teil 3: Das Fett

SOFT TISSUES OF THE FACE - PART 3: THE FAT

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Schlüsselworte

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Summary

The face consists of five layers: Layer 1: skin; Layer 2: subcutaneous fat; Layer 3: superficial musculoaponeurotic system (SMAS); Layer 4: deep fat; and Layer 5: periosteum or deep fascia. This structure differs depending on the region, especially if the ligaments are included in the model. The facial fat compartments are located in layers 2 and 4 [1]. In this overview, the individual features of each layer are discussed.

Zusammenfassung

Das Gesicht besteht aus fünf Schichten: Schicht 1: Haut; Schicht 2: subkutanes Fettgewebe, Schicht 3: superfizielles muskuloaponeurotisches System (SMAS), Schicht 4: tiefes Fettgewebe und Schicht 5: Periost oder tiefe Faszie. Dieser Aufbau unterscheidet sich je nach Region, insbesondere, wenn die Ligamente in das Modell einbezogen werden. Die fazialen Fettkompartimente sind in den Schichten 2 und 4 lokalisiert [1]. In dieser Übersicht wird auf die einzelnen Merkmale jeder Schicht eingegangen.


Das Fettgewebe des Gesichts wird durch das SMAS in eine oberflächliche und eine tiefe Schicht unterteilt, wobei auf das oberflächliche Fett etwa 56 % und auf das tiefe Fett etwa 44% entfallen [2]. Das oberflächliche Fett besteht aus kleinen Fettläppchen, die durch viele Bindegewebssepten voneinander getrennt werden, die vom SMAS zur Dermis verlaufen. Im Gegensatz dazu ist das tiefe Fett aus größeren Fettläppchen aufgebaut und enthält entsprechend nur wenige Bindegewebssepten, die vom Periost zum SMAS ziehen.

 

Das Fett der oberflächlichen Schicht (Abb. 1) bildet ein zusammenhängendes Polster und ist im Bereich der Glabella, im Wangenbereich, in der Nasolabialfalte, an den Hängebacken (Jowls) und am Kinn sehr gut ausgebildet. Wenig oberflächliches Fett findet man dagegen im Bereich der Stirn, um die Augen, um den Mund und in der Schläfengegend. Das oberflächliche Fett lässt sich in verschiedene Kompartimente unterteilen, die großteils durch Bindegewebe, teilweise aber auch durch Muskulatur voneinander getrennt werden [3, 4, 5]. Zu diesen Zu diesen Kompartimenten zählen die 3 Wangenfettkompartimente (lateral-temporales, mittleres und mediales Wangenfettkompartiment), das nasolabiale Kompartiment, das Kinn-Kompartiment, das labiomandibulare und das Jowl-Kompartiment.

Das lateral-temporale und das mittlere Kompartiment haben gemeinsame Ober- und Untergrenzen. Die obere Begrenzung dieser beiden Kompartimente erfolgt durch die zygomatischen Haltebänder (Abb. 2), nach unten werden beide durch die platysma-mandibulären Bänder begrenzt. Die hintere Begrenzung des lateral-temporalen Kompartiments bilden die platysma-auriculären Haltebänder, die vordere Begrenzung des mittleren Wangenkompartiments erfolgt nur teilweise durch Bänder: im oberen Bereich bildet der M. zygomaticus major die vordere Begrenzung, im unteren Bereich die masseter-kutanen Haltebänder. Beide Kompartimente werden durch das Septum subcutaneum parotideomassetericum voneinander getrennt. Da das Septum in antero-lateraler Richtung verläuft wird das mittlere Wangenfettkompartiment teilweise vom lateraltemporalen überlagert. Beide Kompartimente weisen üblicherweise keine besonders dicke Fettschicht auf.

Das mediale Wangenkompartiment, auch oberflächlicher malarer Fettkörper genannt, weist meist die Form eines stehenden Dreiecks auf. Die obere Begrenzung zur Augenregion hin bilden die orbitalen Haltebänder (orbito-malares Septum). Die laterale Abgrenzung zum mittleren Wangenkompartiment erfolgt durch den M. zygomaticus major, von dessen Epimysium verlaufen Bindegewebszüge in die Dermis. Die mediale Begrenzung des medialen Wangenkompartiments erfolgt durch den maxillären Teil der bucco-maxillären Bänder.

 

Das nasolabiale Kompartiment (= Nasolabialfalte) befindet sich lateral der Nasolabialfurche. Diese bildet somit die mediale Begrenzung des Kompartiments und wird von den mimischen Muskeln, die in die Oberlippe einstrahlen, aber auch vom M. depressor anguli oris verursacht. Die laterale Begrenzung des nasolabialen Kompartiments erfolgt durch 2 Bänder: im oberen Bereich durch den maxillären Teil der bucco-maxillären Bänder, im unteren Bereich durch den buccalen Anteil dieser Bänder.

 

Das Kinn-Kompartiment wird nach unten durch die submentalen Bänder begrenzt, die in vielen Fällen sehr gut ausgeprägt sind und eine deutlich sichtbare Grenze zur Submentalregion hin bilden, in manchen Fällen können diese Bänder jedoch auch fehlen, wodurch ein fließender Übergang von der Kinn- zur Submentalregion entsteht. Die seitliche Begrenzung des Kinn-Kompartiments erfolgt durch die Labiomandibularfurche. Sie beginnt am Mundwinkel und folgt dem medialen Rand des M. depressor anguli oris nach unten bis zum Ursprung der mandibulären Haltebänder. Die Furche wird somit durch den Hautansatz des medialen Randes des M. depressor anguli oris gebildet. Die obere Begrenzung dieses Kompartiments erfolgt durch die Mentolabialfurche, die durch den Ansatz des M. mentalis verursacht wird.

 

Das labiomandibulare Kompartiment (= Labiomandibularfalte, Marionettenfalte) befindet sich lateral der oben erwähnten Labiomandibularfurche, die somit die mediale Begrenzung dieses Kompartiments bildet. Die laterale Grenze bilden die masseter-kutanen Haltebänder, die in die Haut der Labiomandibularfalte einstrahlen, die untere Begrenzung die mandibulären und platysma-mandibulären Bänder.

 

Das Jowl-Kompartiment befindet sich unter dem mittleren Wangenfettkompartiment in einem völlig abgeschlossenen Raum. Seine obere Begrenzung wird durch die platysma-mandibulären Haltebänder gebildet, nach vorne oben gegen das labiomandibulare

Kompartiment hin wird es durch die mandibulären Haltebänder abgegrenzt. Die paramedianen Platysma-Haltebänder bilden die vordere Begrenzung zur Submentalregion hin, die submandibulären Platysma-Haltebänder die hintere Begrenzung. Die beiden letztgenannten Bänder sind am Hals lokalisiert, entspringen von der Halsfaszie und fixieren das Platysma. Das Platysma selbst bildet den Boden dieses Kompartiments.

Das tiefe Fett des Gesichts (Abb. 3) bildet keine derartig einheitliche Schicht, sondern besteht aus diskontinuierlichen Fettpolstern. Diese sind vor allem im Bereich der Schläfengegend, um die Orbita und im Wangenbereich zu finden. In der Temporalregion befindet sich zwischen den beiden Blättern der Fascia temporalis (nicht zu verwechseln mit der Fascia temporalis superficialis!) und dem Jochbogen ein Fettkörper in einem völlig abgeschlossenen Raum (temporaler Fettkörper). Eine Schicht tiefer, unter dem tiefen Blatt der Fascia temporalis, liegt der temporale Fortsatz des Corpus adiposum buccae (Bichat) (siehe auch Abb. 4).

Im Bereich um die Orbita findet sich tiefes Fett einerseits im oberen Bereich hinter dem M. orbicularis oculi und wird hier als „retro-orbicularis oculi Fett“ (ROOF) bezeichnet. Aber auch im Bereich der Unterlider findet man ein tiefes Fettpolster unter dem M. orbicularis oculi, das „sub-orbicularis oculi Fett“ (SOOF). Dieses Fett kann durch den Muskel hindurchtreten und so zu einer Pseudoherniation führen. Das SOOF ragt unter dem Unterrand des M. orbicularis oculi weit nach unten in die Wangenregion, sodass hier 4 Schichten von Fettgewebe vorgefunden werden (Abb. 5) [6].

Unter dem medialen Wangenfettkompartiment (= oberflächlichen malaren Fettkörper) befindet sich das SOOF. Dieses liegt im Bereich der Wange auf dem M. zygomaticus major und dem M. levator labii superioris. Unter dem SOOF befindet sich ein weiterer Fettkörper, der in der Schichte zwischen dem M. levator labii superioris und dem M. levator anguli oris liegt, der malare Fettkörper (= tiefer malarer Fettkörper). Tief zu diesem in der 4. Schicht und unter dem M. levator anguli oris befindet sich in der Fossa canina der kleine premaxilläre Fettkörper. Dieser liegt unmittelbar oberhalb des Fornix superior der Mundhöhle auf Höhe des Dens caninus. Er steht seitlich des M. levator anguli oris mit dem tiefen malaren Fett in Verbindung. Ein weiterer tiefer Fettkörper in der Wangenregion ist das Corpus adiposum buccae (Bichat), das in eine eigene Kapsel eingeschlossen ist. Sein Hauptteil befindet sich in

der Tiefe der seitlichen Gesichtsregion. Sein temporaler Fortsatz verläuft medial vom Jochbogen in die Schläfengegend und kommt dort unter dem tiefen Blatt der Fascia temporalis zu liegen. Sein Masseterfortsatz liegt auf dem M. buccinator und wird vom M. masseter bedeckt.

Korrespondenz-Adresse

Dr. med. Ulrike Pilsl
Institut für Anatomie, MUG
Harrachgasse 21
AT-8010 Graz
ulrike.pilsl@meduni-graz.at

Conflict of Interests

Es besteht kein Interessenkonflikt.

Literatur

1. Cotofana S, Lachman N. Anatomie der Fettkompartimente des Gesichts und ihre Bedeutung für die ästhetische Chirurgie. J Dtsch Dermatol Ges. 2019;17(4): 399-415.
2. LaTrenta G (2004) Atlas of Aesthetic Face & Neck Surgery. Saunders.
3. Rohrich RJ, Pessa JE (2007) The fat compartments of the face: anatomy and clinical implications for cosmetic surgery. Plast Reconstr Surg 119(7):2219–2227.
4. Pilsl U, Anderhuber F (2010) The Chin and Adjacent Fat Compartments. Dermatol Surg 36:214–218.
5. Pilsl U, Anderhuber F, Rzany B (2012) Anatomy of the Cheek: Implications for Soft Tissue Augmentation. Dermatol Surg 38:1254–1262.
6. Pilsl U, Rosmarin W, Anderhuber F (2014) The Premaxillary Space: A Location for Filler Injection? Dermatol Surg 40(3):301–304.

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