Übersichtsarbeit

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Anatomie des Gesichts Teil 6: Die Nerven*

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Schlüsselworte

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Summary

The face is innervated by the fifth and seventh cranial nerves, i.e. the trigeminal nerve and the facial nerve. As already mentioned in the last part, this has a historical-developmental basis. The facial skull, the masticatory muscles and the facial skin develop from the first pharyngeal arch, whose associated nerve is the trigeminal nerve. This explains the sensory innervation of the facial skin by the three branches of the trigeminal nerve. With its motor part (masticatory nerve), it also innervates the masticatory muscles. In this section we describe the structure of the nerves in the face.

Zusammenfassung

Die Innervation des Gesichts erfolgt durch den fünften und siebenten Hirnnerven, also den N. trigeminus und den N. facialis. Dies hat, wie im letzten Teil bereits erwähnt, entwicklungsgeschichtliche Grundlagen. Der Gesichtsschädel, die Kaumuskulatur und die Gesichtshaut entwickeln sich aus dem 1. Schlundbogen, dessen zugehöriger Nerv der N. trigeminus ist. Daraus erklärt sich die sensible Innervation der Gesichtshaut durch die drei Äste des N. trigeminus. Mit seinem motorischen Anteil (N. masticatorius) innerviert er zusätzlich die Kaumuskulatur. Wir beschreiben in diesem Teil Aufbau und Struktur der Nerven im Gesicht.


* Dieser Beitrag ist ein Auszug aus der Publikation „Anatomie des Gesichts – Grundlagen für ästhetische Anwendungen. Erschienen bei gmc GmbH, Berlin 2019. ISBN: 978-3-9820717-0-1

Die sensible Innervation des oberen Gesichtsdrittels erfolgt durch den 1. Ast des N. trigeminus, den N. ophthalmicus. Dieser gibt bei Durchtritt durch die Fissura orbitalis superior den N. lacrimalis, den N. frontalis und den N. nasociliaris ab. Der N. lacrimalis verläuft entlang der lateralen Wand der Orbita, durchbricht das Septum orbitale und innerviert die Haut im Bereich des lateralen Augenwinkels (siehe

auch Abb. 12 und 13). Der N. frontalis verläuft auf dem M. levator palpebrae superioris unmittelbar unter dem Dach der Orbita. Dieser gibt zunächst den N. supraorbitalis ab, der sich in einen Ramus medialis und einen Ramus lateralis teilt. Der Ramus lateralis verläuft durch das Foramen supraorbitale, der Ramus medialis durch die Incisura frontalis. Die beiden Rami innervieren die Haut der Stirn und des Oberlides. Der zweite sensible Ast des N. frontalis ist der N. supratrochlearis. Dieser durchbricht das Septum orbitale oberhalb der Trochlea und innerviert die Haut im Bereich des medialen Augenwinkels. An der Innervation der Haut des medialen Augenwinkels beteiligt sich außerdem der N. infratrochlearis, ein Ast des N. nasociliaris, der unterhalb der Trochlea nach vorne zieht und so sein Innervationsgebiet erreicht.

 

Das mittlere Gesichtsdrittel wird entsprechend vom 2. Ast des N. trigeminus, dem N. maxillaris innerviert. Dieser gibt zunächst in der tiefen Gesichtsregion (Fossa pterygopalatina) den N. infraorbitalis ab, der durch die Fissura orbitalis inferior in den Canalis infraorbitalis eintritt und im Boden der Orbita nach vorne verläuft. Er verlässt den Schädel gemeinsam mit der A. infraorbitalis am Foramen infraorbitale und innerviert die Gesichtshaut im vorderen Bereich, das Unterlid sowie mit Rami nasales externi die Haut des Nasenflügels und mit Rami labiales superiores die Haut und Schleimhaut der Oberlippe. Der zweite Nerv, der in der Fossa pterygopalatina vom N. maxillaris abzweigt, ist der N. zygomaticus. Dieser teilt sich in einen Ramus zygomaticotemporalis, der durch die gleichnamige Öffnung an der Schläfenseite des Jochbeins zum vorderen Bereich der Schläfenhaut zieht und den Ramus zygomaticofacialis, der ebenfalls durch ein gleichnamiges Loch im Jochbein zur Haut über dem Jochbein verläuft.

 

Der 3. Ast des N. trigeminus, der N. mandibularis, versorgt schließlich das untere Gesichtsdrittel sensibel. Er entlässt in der tiefen seitlichen Gesichtsregion (Fossa infratemporalis) zunächst den N. buccalis. Dieser verläuft im Spatium buccotemporale, einem Bindegewebsraum zwischen dem untersten Teil des M. temporalis und dem dorsokaudalen Abschnitt des M. buccinator, nach unten, durchbohrt den Muskel mit mehreren Ästen und innerviert die Wangenschleimhaut und das bukkale Zahnfleisch. Außerdem entsendet er Äste an die Oberfläche, mit denen er die Wangenhaut im Bereich des Mundwinkels innerviert. Ein weiterer Ast des N. mandibularis, der in der Fossa infratemporalis zur Versorgung der Gesichtshaut abgegeben wird, ist der N. auriculotemporalis. Er zieht hinter dem Collum mandibulae, bedeckt von der Glandula parotidea nach hinten und steigt vor dem Ohr zur Haut in der Schläfenregion auf (Abb. 1).

Der dritte sensible Ast des N. mandibularis ist der N. alveolaris inferior, der durch den Canalis mandibulae verläuft und diesen als N. mentalis am Foramen mentale, begleitet von der A. mentalis, verlässt. Hinter dem Innervationsgebiet des N. mandibularis befindet sich noch ein kleines Hautareal im Bereich des Kieferwinkels, das nicht vom V. Hirnnerven, sondern vom N. auricularis magnus, einem Ast des Plexus cervicalis, innerviert wird.

 

Die Innervationsgrenzen zwischen den drei Trigeminusästen und dem Plexus cervicalis sind in Abb. 2 ersichtlich.

Auch die entwicklungsgeschichtliche Grundlage für die motorische Innervation der mimischen Muskulatur durch den N. facialis wurde oben bereits erwähnt. Die mimische Muskulatur wird als Abkömmling des 2. Schlundbogens (Hyoidbogens) vom N. facialis innerviert (Abb. 1). Sie behält allerdings ihre ursprüngliche Lage im Bereich des Hyoidbogens nicht bei, sondern wandert nach kranial, verteilt sich flächenhaft über das Gesicht und nimmt dabei ihren ursprünglichen Nerven mit nach oben. Der N. facialis selbst verlässt den Schädel über das Foramen stylomastoideum, also direkt vor und etwas medial des Warzenfortsatzes. Unmittelbar danach betritt er die Glandula parotidea und teilt sich hier in einen oberen und einen unteren Hauptstamm, die sich weiter verzweigen und in der Drüse den Plexus parotideus bilden. Die einzelnen Äste verlassen die Drüse am Ober- und Vorderrand, durchbrechen die Fascia parotidea und betreten die mimische Muskulatur. Aus dem oberen Hauptstamm des N. facialis gehen die Rami temporales ab, die die Drüse am Oberrand verlassen und in vertikaler Richtung über den Jochbogen verlaufen. Sie innervieren die Muskeln oberhalb der Lidspalte, also den oberen Teil des M. orbicularis oculi, den Venter frontalis des M. occipitofrontalis, den M. corrugator supercilii und den M. procerus.

 

Die Rami zygomatici stammen ebenfalls aus dem oberen Hauptstamm, verlaufen schräg nach oben in Richtung Jochbein und innervieren die mimischen Muskeln zwischen Lid- und Mundspalte: die seitlichen und unteren Teile des M. orbicularis oculi, die Mm. zygomatici, den M. nasalis, den M. levator labii superioris alaeque nasi, den M. levator labii superioris und den M. levator anguli oris.

 

Die Rami buccales, die teilweise aus dem oberen, teilweise aus dem unteren Hauptstamm des N. facialis entspringen, verlassen die Drüse am Vorderrand und innervieren den M. buccinator und die Muskeln im Bereich der Mundspalte (oberer Teil des M. orbicularis oris, M. risorius, M. depressor anguli oris).

 

Der R. marginalis mandibulae verläuft schräg nach unten und innerviert den unteren Teil des M. orbicularis oris, den M. mentalis, den M. depressor labii inferioris und den kranialen Teil des Platysma. Sein Verlauf in Bezug zum Unterrand der Mandibula ist variabel und kann bis zu 3 cm nach unten abweichen.

 

Der R. colli verläuft steil nach unten und innerviert den kaudalen Teil des Platysma. Die beiden letztgenannten Äste entspringen aus dem unteren Hauptstamm des N. facialis und werden vom Platysma bedeckt. Durch netzartige Anastomosen mit Ästen des N. trigeminus können die Endäste des N. facialis auch sensible und vegetative Fasern führen.

Korrespondenz-Adresse

Dr. med. Ulrike Pilsl
Institut für Anatomie, MUG
Harrachgasse 21
AT-8010 Graz
ulrike.pilsl@meduni-graz.at

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Es besteht kein Interessenkonflikt

Literatur


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