HYLASE® „Dessau“ wird von Kadima Med GmbH weitergeführt

Die Kadima Med GmbH hat am 22.05.2026 die Zulassung für das Arzneimittel HYLASE® „Dessau“ erworben. Wir sprachen mit dem Apotheker Maximilian Proppert, Inhaber und arzneimittelrechtlich verantwortliche Person der Kadima Med GmbH.

 

KM: Nach Monaten der Unsicherheit wird Hylase® „Dessau“ nun durch die Kadima Med GmbH weitergeführt. Wann rechnen Sie konkret mit der ersten Verfügbarkeit am Markt?

 

Wir investieren in den Aufbau einer neuen Produktion in Deutschland, damit das bewährte Originalprodukt HYLASE® „Dessau“ wieder dauerhaft verfügbar wird. Der Wiederaufbau der Produktion ist jedoch kompliziert und zeitaufwändig. Im Juli 2026 werden wir begrenzte Mengen HYLASE® „Dessau“ verfügbar machen, welche mit medizinischer Priorisierung abgegeben werden. Arztpraxen und Kliniken müssen uns daher direkt per E-Mail kontaktieren (priorisierung@hylase.de). Weitere Informationen werden wir dann auch auf der Website https://hylase.de veröffentlichen.

 

KM: Ist geplant, HYLASE® „Dessau“ in der Variante 150 I.E. sowie 300 I.E. zurückzubringen?

 

Wir wissen, dass alle in der Vergangenheit angebotenen Stärken, also 150 I.E., 300 I.E. und auch 1500 I.E., ihre Existenzberechtigung haben, da je nach Anwendungsfall unterschiedliche Wirkstoffmengen benötigt werden. Beim Wiederaufbau der Produktion wird unser Fokus zunächst auf der Stärke 150 I.E. liegen, da diese am häufigsten verwendet wird. Die Produktion weiterer Stärken folgt, ist jedoch von diversen technischen Aspekten abhängig. Die Produktion weiterer Stärken folgt, ist jedoch von diversen technischen Aspekten abhängig.

 

KM: Über welche Bezugswege wird Hylase® „Dessau“ künftig erhältlich sein? Erfolgt der Vertrieb klassisch über den pharmazeutischen Großhandel oder sind zusätzliche Distributionswege geplant?

 

Im Sommer 2026 wird HYLASE® „Dessau“ aufgrund der begrenzten Mengen sehr zielgerichtet mit medizinischer Priorisierung abgegeben. Langfristig wird der Vertrieb auch über den pharmazeutischen Großhandel und alle lokalen Apotheken erfolgen, welche für die flächendeckende Versorgung unverzichtbar sind.

 

KM: Welche Rolle spielt der Produktionsstandort Deutschland für die Qualitätssicherung und Lieferstabilität?

 

Für die Sicherstellung der Produktqualität und Verfügbarkeit ist der Produktionsstandort Deutschland ganz entscheidend. Gerade bei wichtigen Nischenprodukten wie HYLASE® „Dessau“ ist die Versorgungssicherheit wichtiger als die finanziellen Einsparungen. Wir haben uns daher ganz bewusst dazu entschieden, die Herstellung des Wirkstoffs und auch die Herstellung des fertigen Produktes HYLASE® „Dessau“ wieder vollständig in Deutschland zu etablieren. Seit 1953 produzieren die Unternehmen der Familie Proppert wichtige Arzneimittel in NRW. Im Dialog mit anderen mittelständischen Arzneimittelherstellern und Interessensvertretern im Gesundheitswesen setzen wir uns seit Jahrzenten dafür ein, die inländischen Kapazitäten zur Herstellung von Arzneimitteln zu erhalten und eine resiliente Arzneimittelversorgung zu gewährleisten.

 

KM: Der Produktionsstopp hatte in der Branche große Verunsicherung ausgelöst. Wie herausfordernd ist die Übernahme der Zulassung und der Aufbau der Produktion?

 

HYLASE® „Dessau“ ist ein Arzneimittel mit komplexem Herstellungsprozess. Der Wiederaufbau der Produktion ist anspruchsvoll und erfordert hohe Investitionen. Unsere Unternehmen haben jedoch bereits mehrere komplexe Nischenprodukte erfolgreich zurückgebracht. Seit 15 Jahren führe ich auch unser Beratungsunternehmen Proppert Solutions GmbH (https://proppert-solutions.de), welches auf individuelle Problemlösungen spezialisiert ist.

 

KM: Welche Priorität hat das Thema Versorgungssicherheit für Kadima Med – insbesondere im Hinblick auf akute vaskuläre Komplikationen?

 

Als Apotheker weiß ich aus eigener praktischer Erfahrung, dass die Verfügbarkeit versorgungsrelevanter Nischenprodukte einen entscheidenden Einfluss auf die Behandlung der Patientinnen und Patienten hat. Da HYLASE® „Dessau“ für verschiedene Notfallindikationen bevorratet wird, ist die Versorgungssicherheit ganz entscheidend.

 

KM: Welche Rückmeldungen haben Sie seit Bekanntwerden der Fortführung aus der Ärzteschaft erhalten?

 

Die Vertreter mehrerer medizinischer Fachgesellschaften sowie auch die Apothekerschaft und die Arzneimittelbehörden haben allesamt sehr erfreut reagiert. Alle Beteiligten sind sich einig, dass es eines Arzneimittels für Injektionszwecke bedarf, mit garantierter Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit.

 

KM: Wird Hylase® „Dessau“ ausschließlich für den deutschen Markt produziert oder perspektivisch auch international verfügbar sein?

 

Wir haben auch die internationalen Rechte an HYLASE® „Dessau“ übernommen und arbeiten daran, das Produkt in allen Märkten wieder verfügbar zu machen.

 

KM: Was bedeutet Ihnen persönlich, mit der Fortführung von Hylase® Dessau einen Beitrag zur Patientensicherheit in der ästhetischen Medizin leisten zu können?

 

Da ich als Sachkundige Person und Stufenplanbeauftragter gemäß § 14 und § 63a Arzneimittelgesetz für die Arzneimittelqualität und -sicherheit direkt verantwortlich bin, habe ich einen ganz persönlichen Fokus auf das Thema Patientensicherheit. Mit dem Wiederaufbau der Produktion für HYLASE® „Dessau“ möchten wir den Ärztinnen und Ärzten in der ästhetischen Medizin und auch in der Onkologie und Anästhesie wieder ein Mittel zur Verfügung stellen, welches sie für eine sichere Behandlung der Patientinnen und Patienten benötigen.

 

Herr Proppert, vielen Dank für das Gespräch.

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