Innovationen in der dermatologischen Diagnostik – Interview mit Prof. Dr.med. Jens-Malte John
Wir sprachen mit Prof. Dr.med. Jens-Malte John auf der 6. DERM Alpin in Salzburg über Innovationen in der dermatologischen Diagnostik, sowie über seine Sicht, als wissenschaftlicher Leiter der Tagung.
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Kosmetische Medizin: Herr Professor John, als Kongresspräsident der Alpin 2027, sind Sie mit dem Kongress zufrieden?
Professor John: Ich bin mit dem Kongressprogramm außerordentlich zufrieden. Gerade hatten wir eine Vertreterin des österreichischen Gesundheitsministeriums, Frau Katharina Reich, die uns deutlich gemacht hat, wie wichtig ein solches interdisziplinäres Forum ist. Genau das spiegelt sich im Programm wider und hat sich auch bewährt.
Insbesondere angesichts des demografischen Wandels ist es erforderlich, dass wir unsere Kräfte über alle ärztlichen Disziplinen hinweg vereinen. Wir Dermatologen allein können das gar nicht stemmen. Eine Zunahme von zehn Prozent bei den hellen Hautkrebserkrankungen – all das erfordert, dass wir gemeinsam aktiv werden. Das hat auch die Vertreterin des Ministeriums noch einmal deutlich gemacht, und das zeigen letztlich auch die epidemiologischen Zahlen.
Wir brauchen ein solches Forum. Ein vergleichbares Angebot gibt es sonst kaum, weil die medizinischen Fachgesellschaften bisher meist unter sich bleiben. Ich glaube, diese Strukturen müssen wir aufbrechen, und dieses Forum ist ein Weg, genau das zu tun.
KM: Kommen wir zurück zum Hautkrebs. Die Früherkennung ist dabei sehr wichtig. Es gibt jetzt Nevisense. Können Sie uns das näher erklären?
Professor John: Die elektrische Impedanzspektroskopie, kurz EIS, gibt es schon lange. Dazu gibt es eine ausgezeichnete Studie, die im British Journal of Dermatology veröffentlicht wurde – einer sehr renommierten Fachzeitschrift. Es handelt sich um die erste Studie dieser Art, in der an fast 2.000 Präparaten untersucht wurde, was eine solche Methode leisten kann.
Dabei zeigte sich insbesondere eine Spezifität von 97 Prozent bei Melanomen und von 100 Prozent bei Nicht-Melanom-Hautkrebs. Das bedeutet ganz konkret, dass wir uns auf der sicheren Seite sehen können, wenn Nevisense einen Befund als benigne einstuft und keinen Malignitätsverdacht äußert. Die genannten Spezifitätswerte liegen bei 97 bis 100 Prozent.
KM: Und wie sieht es beim hellen Hautkrebs aus?
Professor John: Im Prinzip gilt das auch für den hellen Hautkrebs. Darüber hinaus erlaubt uns die Messung des Hautwiderstands in unterschiedlichen Tiefen mit einem ausgefeilten Verfahren, auch Aussagen über die Funktion der Hautbarriere zu treffen. Wir arbeiten gerade daran, sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Das Gerät soll künftig auch Informationen über die Leistungsfähigkeit der epidermalen Barriere liefern können.
KM: Wir sind jetzt in Österreich. Gibt es bei der Früherkennung Unterschiede zu Deutschland?
Professor John: Insbesondere in Zukunft wird es Unterschiede geben, weil in Österreich bereits beschlossen wurde, nur noch risikospezifisches Hautkrebsscreening zu ermöglichen. Eine ähnliche Diskussion gibt es auch in Deutschland. Glücklicherweise wurde dort zunächst entschieden, dass das breite Screening zumindest bis Ende 2027 fortgesetzt wird.
Eines ist klar: Wenn das breite Screening entfiele, würde das auch die Meldungen zu beruflichen Hauterkrankungen betreffen. Wir hätten dann vermutlich deutlich weniger Meldungen als heute. Derzeit sind es etwa 10.000 pro Jahr. Das ist einer der Gründe, weshalb es nicht klug wäre, auf das breite Hautkrebsscreening zu verzichten. Auch in Österreich wäre das aus meiner Sicht nicht sinnvoll.
Ein weiterer Punkt sind die primärpräventiven Aspekte. Wenn Menschen zum Screening gehen und anschließend in ihrem Umfeld davon erzählen, trägt das dazu bei, dass sowohl sie selbst als auch andere das Risiko durch UV-Exposition stärker im Blick behalten. Durch die globale Erwärmung wird dieses Risiko nicht geringer. Im Gegenteil: Aktuelle Studien zeigen erneut, dass der Klimawandel auch mit einer Zunahme der terrestrischen UV-Exposition verbunden ist. Deshalb wäre es wichtig, das breite Screening sowohl in Österreich als auch in Deutschland aufrechtzuerhalten.
KM: Wie sieht es bei der atopischen Dermatitis aus? Gibt es dort Innovationen?
Professor John: Ja, es gibt eine Reihe von Innovationen. Dazu gehören zum einen Produkte mit antientzündlich wirkenden Inhaltsstoffen. Sie können einen wichtigen Beitrag zur Vorbeugung von Rückfällen leisten, wenn die atopische Dermatitis gerade nicht aktiv ist, aber das Risiko eines erneuten Schubs besteht. Die vorliegenden Studien zeigen, dass die Erkrankung ohne geeignete Maßnahmen häufig wieder aufflammt.
Zum anderen gibt es Produkte, die den pH-Wert der Haut beeinflussen und dazu beitragen, dass die Reparaturmechanismen der epidermalen Barriere unter optimalen Bedingungen ablaufen können.
Ich bin sehr froh, dass diese Innovationen auf den Markt kommen. Zusammengenommen können wir als Dermatologen bei diesen Erkrankungen viel erreichen, wenn wir die inzwischen verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten konsequent nutzen.
Hilfreich wäre natürlich auch, wenn die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Basistherapie finanzieren würden. Das tun sie leider nicht, und das ist ein großer Fehler. Denn später wird es teuer, wenn stattdessen medikamentöse Produkte benötigt werden. Die gesetzliche Unfallversicherung in Deutschland hat das erkannt und finanziert deshalb die Basistherapie, die Dermatologinnen und Dermatologen ihren Patientinnen und Patienten verordnen.
Das ist immerhin ein kleiner Fortschritt. Man kann nur hoffen, dass sich diese Einsicht auch bei den gesetzlichen Krankenkassen durchsetzt.
KM: Herr Professor John, vielen Dank für das Gespräch.
Hinweis: Der Text wurde sprachlich geglättet.

