Die schmerzarme Art der intradermalen Produktapplikation / Kosmetische Medizin im Interview
Neben traditionellen Methoden, wie Microneedling oder klassischen Injektionsnadeln stellt der Einsatz von MicronJet-Injektoren (ehemaliger Handelsname: Nanosoft) eine präzise und schmerzarme Alternative dar. Wir sprachen mit Frau Dr.med. Maja Waibel (Berlin) und mit Dr. med. Stas Wüst auf der DGBT-Tagung in Berlin zum Thema.
Die schmerzarme Art der intradermalen Produktapplikation
Kosmetische Medizin: Frau Dr. Weibel, Herr Dr. Wüst, Sie waren beteiligt an der Entwicklung eines neuen Injektionssystems für Botolinumtoxin. Wie unterscheidet es sich äh von anderen Systemen?
Dr. med. Stas Wüst: Tatsächlich war die Idee, ein System zu entwickeln, was überhaupt als System funktioniert. Wir haben uns den Markt angeschaut und wir haben festgestellt, es gibt eigentlich keine Kombination zwischen Spritze und Nadel und da haben wir die Möglichkeit gesehen, hier ein bisschen Innovation in den Markt reinzubringen, indem wir eben eine Low Deadspace Nadel mit einer Low Deadspace Spritze kombiniert. Sie sind aufeinander angepasst und sind explizit für Botulinumtoxin ausgelegt. Wir haben das dann natürlich in Kollaboration mit Ärzten entwickelt. Haben uns dann ganz viele Meinungen und Hinweise angehört, um dann ein möglichst ein kundenfreundliches Produkt zu gestalten.
KM: Frau Dr. Weibel, worin besteht denn äh der Mehrwert äh der Nadeln?
Dr. med. Maja Waibel: Ja, ich konnte also meine Wünsche und Bedürfnisse einbringen. Ich bin seit vielen Jahren jemand, der von morgens bis abends Botolinotoxin injiziert. Und als erstes habe ich damals angemerkt, ich wünsche mir eine Spritze, die gleitet wie ein Tragflügelboot über den Ozean, weil viele Spritzen, die wir konventionell kaufen, stocken während dem Injektionsprozess. Und man kann sich vorstellen, wenn ich hier 0,025 ml abgeben will und dann stockt es plötzlich, schon sieht der Patient für 3 Monate schief aus. Ja, also war das immer gewisser Stress auch für uns Ärzte.
Zweitens habe ich mir als ausdrückliche Bedingung gewünscht ein Luer-Lockverschluss, ein Schraubverschluss, sodass die Spritze fest verschraubt ist mit der Kanüle, denn unser zweites Problem ist, wir haben ja zunehmend schmale, kleine, feine Kanülen, damit die Patienten wenig Schmerz und Bruising haben. Aber jetzt arbeite ich hier mit hohem Druck. Was wird passieren? Das ganze platzt ab. Jeder kennt es. Zweimal im Monat etwa passiert so etwas. Dann läuft der Inhalt dem Patienten am Auge entlang und ich habe dann Botolinotoxin verschwendet. Hauptproblem ist aber, dass auch wenn es nicht passiert, ich ständig fürchte, dass es passieren könnte. Und deswegen ist durch diesen Schraubverschluss und das gute Gleiten schon mal ganz viel Arztkomfort gegeben.
Dr. Wüst: Ich glaube, vom technischen her ist es noch zu erwähnen, die Spritze an sich, einen Stempel hat, der explizit angepasst ist auf das Innere oder bzw. auf die Kammer und wir sehen, wenn wir da drauf drücken, dass der Stempel sogar noch über die Austrittskante hinausgeht. Das heißt, hier ist einfach überhaupt kein Luftraum.
Dr. Waibel: Zweitens, dieser Stempel besteht aus einem sehr weichen Gummi. Oft haben wir ja auch in konventionellen Spritzen so ein Plastikstempel, der aber sehr hart ist, wo trotzdem noch viel Flüssigkeit rechts und links ist. Dieser Stempel füllt den Raum komplett aus und geht noch darüber hinaus.
Dr. Wüst: Und bei der Nadel haben wir hier auch einen entsprechenden Polymerring eingesetzt, der eben exakt dann auf die Spritze passt und dort in der Nadel selber im Gehäuse das Todvolumen rausnimmt. Ich glaube ein ein ganz wichtiger Vorteil ist die Nadel. Wir haben ja gesagt, es ist für Butolinumtoxin ausgelegt. Die Nadel ist extrem dünn. Wir haben hier eine 4 mm 35G Nadel. Sie wurde gerade elektronenmikroskopisch untersucht, werden dazu auch eine Studie in der Kosmetischen Medizin publizieren, und wir haben gesehen, im Vergleich zu anderen 34G Nadeln liegen wir 40 % drunter im Querschnitt in der Nadel. Und auch hier, wenn wir jetzt sagen, wir injizieren Botulinumtoxin, es geht um Patientenkomfort, die Leute möchten möglichst wenig davon spüren.
Dr. Waibel: Diese z.B. 35 oder 34 mm Kanülen sind für die Patienten fast nicht zu spüren. Oft sagen sie: „Spritzen sie schon“ und dann bin ich quasi schon fertig. Und für jungen Ärzte, die zu mir zum Training kommen, wenn die mit diesen Spritzen mal Botulinumtoxin injizieren, sagt jeder: „Was ist das denn? Das ist ja total einfach und angenehm.“ Also, es macht richtig Spaß damit und es ist auch für Anfänger unglaublich verzeihend, weil diese 4 mm Kanüle, damit kann man praktisch nicht zu tief spritzen.
Also auch jeder, der noch Angst und Berührungsängste hat, damit anzufangen mit dieser Spritze, ist es wirklich ganz einfach. Ja, also letztendlich haben Behandler und Patient etwas davon.
KM: Vielen Dank für das Interview
