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Hautalterung: Der König ist tot, es lebe der König?

Skin aging: The king is dead, long live the king?

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Keywords

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Schlüsselworte

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Summary

Superficial adipose tissue adjacent to the dermis is substantially involved in the skin aging processes. Adipocytes from this layer can quickly change their number and volumes, modify their extracellular matrix thus causing the modulation of mechanical properties of the tissue, and even be transformed into the fibroblast-like cells. These processes can lead to a spatially inhomogeneous modification of the dermal volume and to appearance of the typical skin aging signs on the mesoscopic and macroscopic scales. Since these modifications are at least partly reversible, such superficial adipocytes could be an important target in anti-aging therapies. This can consequently shift the point of interest in anti-aging therapies from dermis to subcutis.

Zusammenfassung

Oberflächige Schicht des subkutanen Fettgewebes ist wesentlich in die Hautalterungsprozesse involviert. Adipozyten aus dieser Schicht können schnell ihre Anzahl und Volumen verändern, ihre extrazelluläre Matrix und somit die mechanischen Eigenschaften des Gewebes modifizieren und sich sogar in fibroblastähnliche Zellen umwandeln. Diese Veränderungen können zu einem räumlich heterogenen Volumenverlust in der Haut führen, was die typischen makro- und mesoskopischen Hautalterungserscheinungen hervorrufen sollte. Weil diese Prozesse zumindest teilweise reversibel sind, können solche grenzflächigen Adipozyten zum wichtigen Ziel in Anti-Aging-Therapien werden. Das kann wiederum zu einer konsequenten Verschiebung des Hauptaugenmerkes in Anti-Aging-Strategien von Dermis auf Subkutis führen.


Einführung

Hautalterung ist ein der wichtigsten Begriffen in der ästhetischen Medizin. Während die phänomenologische Hautalterungserscheinung keine Erklärung braucht, ist ihre wissenschaftliche Definition nicht so einfach. Es ist allgemein akzeptiert, dass die Hautalterung ein kontinuierlicher Prozess ist und dass sie sowohl interne (chronologische) als auch externe (photoinduzierte) Gründe haben kann. Damit ist die Einigkeit in der Wissenschaft in dieser Frage eigentlich auch schon beendet.

 

 

Es gibt zahlreiche Hautalterungstheorien (s. Kasten 1), wobei fast alle von ihnen die Ursachen der Hautbildverschlechterung im fortgeschrittenen Alter mit gewissen Veränderungen in Epidermis und Dermis verbinden.

 

 

Kasten 1: Einige Theorien der Hautalterung.

Einige bekannten Theorien erklären Hautalterung mit

  •   einer exzessiven oxidativen Phosphorylierung mit überflüssiger Bildung der Superoxidradikalen [1];
  •   einer fortschreitenden Akkumulierung der seneszenten Fibroblasten mit reduzierten 
Kollagenproduktionskapazitäten [2];
  •   einer defekten extrazellulären Matrix, welche den Fibroblasten es nicht erlaubt, sich richtig 
festzusetzen, und somit ihre Kollagenproduktion stark reduziert [3];
  •   einer lokalen Überproduktion von Matrix-Metalloproteinasen aufgrund einer Entzündung oder einer 
UV-Bestrahlung, welche das Gleichgewicht im Bindegewebe in Richtung Bindegewebsabbau 
verschieben sollte [4];
  •   einer reduzierten Produktion der Hitzeschockproteine die u.a. für eine Kontrolle der 
Proteinstrukturen zuständig sind [5].

 

 

Es wurden tatsächlich verschiedene zelluläre und strukturelle Veränderungen im Bindegewebe der alternden Haut gefunden und konsequent zu den Zielen in Anti-Aging-Strategien erklärt. Als besonders vielversprechend wurden dabei die kollagenbildenden Strategien angesehen, weil generell vermutet wurde, dass eine Steigerung des physiologischen Kollagengehalts in Dermis zu einer Verbesserung der mechanischen Eigenschaften der Haut führen kann. Dabei wurde aber grundsätzlich übersehen, dass
 eine physiologische Neokollagenese mit einer nachgewiesenen Erhöhung der Produktion von mRNA- und Prokollagen nicht unbedingt zu einer Steigerung des Gehalts von reifem Kollagen in Dermis führen muss [6,7];

  •   eine physikalische (z.B. eine thermische) Beschädigung des nativen Kollagens („Kollagenschrumpfen“-Effekt) nicht zu einer Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung der mechanischen Parameter der Haut führen sollte;
  •   die Haut in Wirklichkeit nur eine dünne „Hülle“ ist, die mechanisch weit über ihre physiologische Grenze hinaus verstärkt werden sollte, um eine erwünschte Hautbildverbesserung erzielen zu können.

 

Das bedeutet, dass obwohl einige Veränderungen in dermaler Kollagensynthese nach verschiedenen „Anti-Aging“ Behandlungen mit einer Hautbildverbesserung grundsächlich korrelieren, können diese alleine eine solche Verbesserung nicht bestimmen. Was sollte dann aber das Ziel einer Anti-Aging Therapie sein wenn nicht die Stimulation der dermalen Kollagensynthese?

Warum standen Adipozyten nicht auf der Rechnung? 


Wenn eine reduzierte Kollagenproduktion durch dermale Fibroblasten nicht für eine meso- und makroskopische Hautalterungserscheinung verantwortlich ist und somit nicht als Hauptziel einer Anti-Aging Behandlung dienen dürfte, stellt sich die Frage, ob nicht das subkutane Fettgewebe diese Rolle übernimmt.

 

 

Die Beteiligung von Adipozyten an Hautalterungsprozessen wurde lange Zeit fast komplett ausgeschlossen. Dafür gibt es ein wichtiges Argument: während die UV-Bestrahlung die Hautalterung offensichtlich induzieren kann, dringt sie räumlich nur sehr begrenzt in die Haut hinein and kann somit die subkutanen Adipozyten kaum erreichen. Die normale Hautdicke variiert zwischen ca. 0,2 mm (an der Stirn) und maximal 1,5 mm (an den Wangen). Die Halbwerts-Eindringtiefe des UV-Lichtes mit den Wellenlängen von 290 nm bzw. 320 nm liegt aber bei lediglich ca. 20 μm bzw. 60 μm [8]. Somit kann nur ein Bruchteil der eingestrahlten UV-Energie die subkutanen Adipozyten in vivo erreichen. Diese verbleibende Energie sollte aber zu niedrig sein, um eine signifikante Wirkung auf Adipozyten erzielen zu können. Unter diesen Umständen blieb nichts anders übrig, als die Hautalterungsursachen in Epidermis und Dermis zu suchen.

 

 

Diese Sichtweise hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Möglichkeit einer Beteiligung des Fettgewebes an Hautalterungsprozessen wurde vor Kurzem kritisch analysiert [9]. Es wurde gezeigt, dass subkutanes Fettgewebe sich unterschiedlich bei chronologischer und photoinduzierter Hautalterung verhalten sollte.

 

Fettgewebe in der chronologischen und photoinduzierten Hautalterung

  1. Chronologische Hautalterung

 

Zuerst muss die Frage gestellt werden, wie sich subkutanes Fettgewebe chronologisch (mit zunehmendem Alter) verhält. Am Einfachsten kann solche Evolution bei Nagetieren beschrieben werden, wo die oberflächige (dermale, dWAT) Fettschicht von tieferem subkutanem Fett (sWAT) durch einen quergestreiften Muskel (panniculus carnosis) getrennt ist [10]. Experimente haben gezeigt, dass die Dicke der dWAT bei jungen Nagetieren nicht konstant bleibt – sie verändert sich wellenförmig bis zum Erwachsenenalter und korreliert dabei stark mit den Phasen der Haarentwicklung [11]. Der Aufbau dieser Fettschicht ist dabei mit der Anagenphase und ihr Abbau mit der Telogenphase des Haarzyklus eng verbunden. Weil Haarwachstum bei Nagetieren wellenförmig verläuft, müssen daraus räumlich heterogene Hautstrukturen entstehen [9].

 

 

Des Weiteren wurde gezeigt, dass die mechanischen Eigenschaften der Haut sich abhängig von der dWAT-Dicke verhalten und somit auch räumliche Unterschiede in mechanischen Charakteristiken der Haut entstehen sollten. Im fortgeschrittenen Alter wird diese Fettschicht allerdings stark abgebaut, was als ein Zeichen der Hautalterung interpretiert werden kann. Solches Verhalten des dWAT wurde in verschiedenen Knockout-Modellen mit beschleunigter Alterung (z.B. in Cnr1-/-, PASG-/-, p53-Mutanten, usw.) deutlich demonstriert und in [9] ausführlich beschrieben.

 

 

Obwohl bei Menschen diese Fettschicht anders aussieht [10] und die Haare sich räumlich nicht wellenförmig, sondern quasi-mosaikförmig entwickeln [12], kann auch hier ein Abbau sowie eine morphologische Veränderung der oberflächigen Fettschicht mit zunehmendem Alter stark vermutet werden. Dafür spricht auch die bekannte Tatsache, dass chronologische Alterung bei Menschen mit einer kontinuierlichen Reduktion des subkutanen Fettgewebes korreliert [13].

 

 

Fettgewebe besteht allerdings nicht ausschließlich aus Adipozyten, deren Anzahl und Volumen die Dicke einer Fettschicht bestimmen. Ein Fettdepot kann – je nach seinem Typ – auch unterschiedlich stark entwickelte extrazelluläre Strukturen haben. Diese Strukturen beinhalten Hyaluronan sowie inter- (zwischen den Zellen) und perizelluläre (um die Zellen herum) Fibrosierungen. Es wurde gezeigt, dass die perizellulären Fibrosierungen und nicht die Adipozyten selbst hauptsächlich die mechanischen Eigenschaften des Fettgewebes bestimmen [14]. Zum Beispiel, der Zugwiderstand des Fettgewebes in Knockout-Mäusen mit fehlendem Kollagen Typ VI (der wichtigste Bestandteil der perizellulären Fibrose) beträgt lediglich ca. 50% von seinem Normalwert [15].

 

 

Es wurde mit der Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie demonstriert, dass das Fettgewebe mit zunehmendem Alter seine perizelluläre Kollagen-Strukturen kontinuierlich verliert, was konsequent auch die mechanischen Eigenschaften des Gewebes verschlechtern sollte. Dementsprechend sollte jegliche Verstärkung der perizellulären Strukturen im Fettgewebe zu einer mechanischen Verhärtung des Gewebes führen, was auch eine Erhöhung der Spannung in der Haut nach sich ziehen sollte. Das verschiebt den Schwerpunkt in der Hautalterung von Kollagenneubildung in einer dünnen dermalen Schicht hin zu Fibrosierungen in einer deutlich dickeren subkutanen Fettschicht.

 

 

Darüber hinaus haben die rasterelektronenmikroskopischen Untersuchungen von verschiedenen Fettkompartimenten im Gesicht deutlich demonstriert, dass sogar benachbarte Kompartimente sehr unterschiedliche morphologische Strukturen haben können und sich somit wesentlich in ihren mechanischen Eigenschaften unterscheiden sollten [16] (s. Kasten 2). Diese Kompartimente verändern sich morphologisch mit zunehmendem Alter sehr unterschiedlich, was nicht nur zu Hautbildveränderungen innerhalb eines Kompartimentes führen kann, sondern auch deutlich die Grenzen zwischen benachbarten Kompartimenten auf der Haut projizieren und somit ein typisches Bild einer „Gesichtsalterung“ aufzeigen sollte.

 

 

Kasten 2: Morphologische Unterschiede in verschiedenen Fettkompartimenten im Gesicht

Verschiedene Fettkompartimente im Gesicht haben unterschiedliche morphologische Strukturen. Sie unterscheiden sich nicht nur in Anzahl und Volumen von Adipozyten, sondern in zellulärer Clusterbildung (Gruppierung von Adipozyten) sowie in Strukturen der extrazellulären Matrix. Zum Beispiel:

 

  •   labiales Fettkompartiment besteht aus kleinen Gruppen von Adipozyten, besitzt eine dichte extrazelluläre Matrix und wurde somit als „fibroses“ Fett klassifiziert [16];
  •   malare und periorbitale Fettkompartimente bestehen typischerweise aus großen Clustern von Adipozyten mit dünnen Kollagenstrukturen und wurden als „strukturiertes“ Fett klassifiziert;
  •   bukkales Fettkompartiment hat stark reduzierte Kollagenstrukturen und wurde als „Speicher“-Fett klassifiziert.

 

 

  1. Photoinduzierte Hautalterung

Viel komplizierter scheint die Rolle des Fettgewebes in der photoinduzierten Hautalterung zu sein. Zuerst muss erwähnt werden, dass Adipozyten in vitro auf UV-Bestrahlung tatsächlich reagieren können. Ganz wichtig ist dabei, dass die Fettgewebestammzellen schon auf eine sehr niedrige UV- Energiedichte (schon ab mindestens 0,05 J/cm2) mit einer Unterdrückung der Adipogenese antworten können. Dieser Effekt ist dosisabhängig und tritt bei steigender eingestrahlter Lichtenergie verstärkt auf [17]. Solche niedrige UV-Energie kann allerdings in die retikuläre Dermis tatsächlich eindringen und dWAT-Adipozyten sowie die oberen subkutanen Adipozyten erreichen, was für eine direkte Wirkung des UV-Lichtes auf Adipozyten in vivo sorgen kann.

 

 

Im nächsten Schritt sollte die Frage geklärt werden, ob die Adipozyten auch in vivo auf UV- Bestrahlung reagieren. Diese Frage wurde vor Kurzem auch positiv beantwortet. Es wurde gezeigt, dass der Gehalt von freien Fettsäuren und Triglyceriden in der UV-exponierten Haut (am Unterarm) deutlich niedriger als in einer nicht UV-exponierten Haut (am Gesäß) ausfällt [18]. Darüber hinaus kann eine niedrig dosierte UVB-Bestrahlung den Gehalt des von Adipozyten produzierten Peptidhormons Adiponektins im Serum und sogar lokal im Fettgewebe signifikant reduzieren [19]. Es wurde vermutet, dass solche Wirkungen in vivo indirekt durch Produktion von verschiedenen Zytokinen in oberer Dermis (die dann anschließend in die retikuläre Dermis migrieren) realisiert werden können. Das macht zumindest die oberflächige Schicht des subkutanen Fettgewebes zu einem wichtigen potentiellen Player in der Hautalterung.

 

 

Die UV-Bestrahlung kann allerdings auch eine ganz andere Wirkung verursachen – eine Fettgewebs-Atrophie mit anschließender Fibrosierung – ein Phänomen das im Tiermodel für systemische Sklerose demonstriert wurde [20].

abb. 1: mögliche rolle der adipozyt-myofibroblast transformation in photoinduzierter hautalterung. akute uV-bestrahlung führt zu einer entzündlichen reaktion und einer Erweiterung des dwat. chronische uV-bestrahlung führt zum abbau des dwat und Entwicklung einer kutanen Fibrosierung. (mit freundlicher genehmigung von aging [9]).

 

UV-Licht kann anthrophie des Fettgewebes und damit verbundene kutane Fibrose induzieren

Systemische Sklerose manifestiert sich in massiven Fibrosierungen von verschiedenen Organen, vor allem in kutanen und pulmonalen Fibrosen. In Mäusen kann systemische Sklerose durch subkutane Injektionen des Bleomycins induziert werden. Es wurde festgestellt, dass kutane Fibrose immer mit einer Atrophie des angrenzenden Fettgewebes verbunden ist, wobei sich diese Atrophie generell bevor einer Fibrosierung entwickelt. Diese zwei Prozesse sind durch einen Transdifferenzierungs- Mechanismus – Adipozyt-Myofibroblast Transformation – miteinander verbunden [21]. Dieser Mechanismus sieht vor, dass die kollagenproduzierenden Myofibroblasten aus Fettgewebestammzellen oder aus reifen Adipozyten aus der dWAT Schicht entstehen. Das sollte zu einer Volumenveränderung im Unterhautgewebe führen und gleichzeitig die Fibrosierung in Dermis und oberflächiger Subkutis induzieren. Das bedeutet, dass die oberflächige Schicht des Fettgewebes, die sich an der Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Gewebsarten befindet, auch phänotypisch veränderte Adipozyten beinhalten sollte, welche sich von den klassischen Adipozyten in tieferen Schichten des subkutanen Fettgewebes unterscheiden sollten. Diese oberflächige Fettschicht wurde „grenzflächiges“ (interfacial) Fettgewebe genannt [20], und es wurde in der letzten Zeit berichtet, dass solche Adipozyten in die Pathophysiologien der Wundheilung, Psoriasis, Mammakarzinom, Prostatakrebs, usw. involviert sein sollten.

 

 

Die Adipozyt-Myofibroblast Transformation könnte allerdings nicht nur der wichtigste pathophysiologische Schritt in systemischer Sklerose sein, sondern auch in Hautalterungsprozesse substantiell involviert werden, weil eine lokale kutane Fibrose zu einer entsprechenden räumlich heterogenen Spannung und somit zu einer lokalen Hautbildveränderung führen kann. Dafür musste aber die UV-Bestrahlung in der Lage sein, eine kutane Fibrose in vivo zu induzieren. Diese wichtige Frage wurde vor Kurzem analysiert [9] (s. Kasten 3).

 

 

Kasten 3: Unterschiedliche UV-Wirkungen auf Fettgewebe.

Eine chronische UV-Bestrahlung kann eine Atrophie des Fettgewebes mit anschließender Bildung einer kutanen Fibrose induzieren [22,23]. Auf der anderen Seite, eine akute UV-Bestrahlung führt normalerweise zu einer lokalen Entzündung mit begleitender Erweiterung des angrenzenden Fettgewebes (Abb. 1). Das zeigt eindeutig, dass die Wirkung der UV-Bestrahlung auf die Haut nicht pauschal beurteilt werden kann und damit stark von dem Bestrahlungsschema abhängig sein sollte.

 

 

Man kann somit feststellen, dass unter gewissen Umständen eine signifikante Veränderung des grenzflächigen Fettgewebes nach einer UV-Bestrahlung stattfindet und dass diese Veränderung sich auf dermale Strukturen ausweiten kann. Hier ist die Rheinfolge der Ereignisse besonders wichtig, weil in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden muss, ob Adipozyten oder Fibroblasten als Hauptakteure in der Hautalterung und somit als Hauptziele in Anti-Aging-Strategien definiert werden sollten.

 

 

Dermis und Subcutis – getrennt und doch zusammen?

Dermis und sWAT können sich stark gegenseitig beeinflussen [24]. Co-Kultivierung von Fibroblasten mit Adipozyten hat gezeigt, dass große (hypertrophe) und kleine Adipozyten unterschiedlich auf Fibroblasten wirken können: während die großen Adipozyten inhibierend auf synthetische Aktivitäten von benachbarten Fibroblasten wirken, zeigen kleine Adipozyten keine solche Wirkung [25]. Des Weiteren korreliert der Zuwachs von sWAT signifikant mit Reduzierung von elastischen Fasern in Dermis [26]. Solche fettgewebebedingte Reduzierung der Hautelastizität sollte eine langfristige Wirkung haben [27]. Dieser Mechanismus kann in die Entstehung schlaffer Haut im Bereich der unteren Wangen sowie in die Bildung der nasolabialen Falten involviert werden [28-30]. Somit sollte sWAT eine wichtige Rolle in der makroskopischen Hautalterung spielen.

 

 

Auf der mesoskopischen Ebene manifestiert sich Hautalterung u.a. in dermalen Falten. Dermale Falten erscheinen als quasi-eindimensionale Hautvertiefungen. Ihre topographische Erscheinung ist nicht zufällig und kann nicht allein mit den Eigenschaften der Dermis erklärt werden. Es wurde vor Kurzem demonstriert, dass die Entstehung einer dermalen Falte räumlich mit dem Bestehen eines großen Lymphgefäßes direkt unter der Falte korreliert. Solche Gefäße sind umgeben vom perilymphatischen Fettgewebe, welches eine wichtige Rolle in der Faltenbildung spielen kann [31] (s. Kasten 4).

 

 

Kasten 4: Wie kann Fettgewebe in die Faltenbildung involviert werden?

Lokale Modifizierung des Fettgewebes kann auch für eine direkte Entstehung von dermalen Falten mitverantwortlich sein. Es ist bekannt, dass dysfunktionale Lymphgefäße zu signifikanter Erweiterung des umliegenden Fettgewebes führen können [32]. Gleichzeitig führt eine Erweiterung des Fettgewebes zum Ausbau des lokalen Lymphsystems. Es wurde gezeigt, dass sich vom perilymphatischen Fettgewebe umgebenes je ein großes lymphatisches Gefäß direkt unter den einzelnen Falten befindet. Das wurde zumindest für die Stirnfalten, Krähenfüße, nasolabialen und nasojugalen Falten demonstriert [31]. Die Erscheinung von solchen Lymphgefäßen in der Haut kann eine der anatomischen Grundlagen für die Faltenbildung sein: der Ausbau von solchen Gefäßen sollte zu einer lokalen Veränderung der mechanischen Spannung und somit zu einer linearen Hautdepression führen, die sich dann letztendlich in Form einer dermalen Falte manifestiert.

Das würde bedeuten, dass eine Hautalterung nicht nur chronologische oder photoinduzierte Gründe hat, sondern sich auch durch eine Modifizierung des angrenzenden Fettgewebes entwickeln kann. Solche Modifizierung muss somit als dritte Komponente der Hautalterung angesehen werden.

 

 

Konsequenzen für die ästhetische Medizin

Perizelluläre Fibrosierungen im subkutanen Fettgewebe sind nicht nur wesentlich in die mechanischen Eigenschaften von diesem Gewebe, sondern auch von der oberhalb liegenden Haut involviert. Abbau von diesen Strukturen führt zum Verlust der mechanischen Stabilität und ist typisch für chronologische Hautalterung. Sollte allerdings eine zusätzliche Fibrosierung des subkutanen Fettgewebes durch eine induzierte Kollagenproduktion in Adipozyten das primäre Ziel der ästhetischen Behandlungen in Anti-Aging sein, müssen einige neuen Aspekte bei Formulierung der Behandlungsstrategien berücksichtigt werden.

Erstens, geht es dabei nicht mehr um den durch eine Behandlung induzierten Zelltod oder thermische Inaktivierung des Kollagens („Kollagenschrumpfen“), die zum einen höhere Temperaturen im Gewebe verlangen und zum anderen wegen mangelnder Selektivität in der Wärmeverteilung mit dem Risiko des Zelltodes im benachbarten Gewebe verbunden sind. Eine Stimulation der Kollagensynthese in Adipozyten sollte schon bei deutlich niedrigeren „quasi-physiologischen“ Temperaturen stattfinden.

 

Zweitens, räumliche Targets für solche Anti-Aging Behandlungen müssen neu definiert werden. Zum Beispiel, das grenzflächige Fettgewebe besteht lediglich aus einigen Zellschichten. Sollten hauptsächlich diese Zellen als Targets für eine Anti-Aging-Therapie dienen, muss man versuchen, die applizierte Wirkung genau auf diese Schicht zu konzentrieren wie es z.B. in [33] für radiofrequente (RF) Ströme beschrieben wurde.

 

Drittens, bei einigen Behandlungsarten entsteht eine zwangsläufige Selektivität der Wirkung, die sich auf die Oberflächen der Adipozyten konzentriert. Das ist deutlich am Beispiel der RF- Anwendungen zu sehen. Wegen der großen Unterschiede in der elektrischen Leitfähigkeit von Dermis und Subkutis, werden die von der Hautoberfläche kommenden RF-Ströme nicht vollständig in die Subkutis eindringen, sondern hauptsächlich in die Dermis fließen. Gleichzeitig verteilen sich die Stromdichten, welche die Subkutis doch erreichen, dort sehr ungleichmäßig. Dieser Strom fließt nicht durch die Zellen, wo sich hauptsächlich die Triglyceride mit dielektrischen Eigenschaften befinden, sondern nimmt die Wege durch die stromleitenden Kollagenstrukturen und Wasserschichten um die Zellen herum [34]. Dabei sollte nicht eine Temperaturerhöhung im gesamten Fettvolumen, sondern selektiv an den Oberflächen von einzelnen Adipozyten entstehen. Diese Temperaturerhöhung sollte ausreichend sein, um stimulierend auf die Synthese des perizellulären Kollagens wirken zu können. Die stimulierende Wirkung der RF-Ströme auf perizelluläre Strukturen im subkutanen Fettgewebe wurde in [34,35] beschrieben und vor Kurzem mit Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie nachgewiesen.

 

Viertens, dieser Mechanismus ist mit einer speziellen Dynamik der Hautbildverbesserung verbunden, weil eine perizelluläre Kollagensynthese eine gewisse Zeit nach einer RF-Anwendung dauern kann. Auch das Behandlungsschema kann durch solche Paradigmenwechsel erheblich beeinflusst werden. Beispielsweise werden die RF-Behandlungen zurzeit in der Regel mit größeren Abständen durchgeführt, um die „kollagenschrumpfende“ Wirkung durch die erzeugte Wärme körperintern zu beseitigen. Das Konzept der kollagenstimulierenden Wirkung des RF-Stroms verlangt aber, zumindest während der Initialphase, regelmäßigere und häufigere Behandlungen.

 

 

Eine wichtige Rolle der Subkutis in Hautalterung kann auch am Beispiel der dermalen Filler demonstriert werden. Dass dermale Filler in Wirklichkeit keine dermalen sind ist schon längst klar, wobei dieser Begriff noch immer benutzt wird. Ganz im Gegenteil, Hyaluronan-Fillers demonstrieren eine prolongierte Wirkung bei tieferen subkutanen und nicht bei oberflächigen Injektionen. Gleichzeitig gibt es fast keine Korrelation zwischen dem Injektionsvolumen eines Weichgewebe-Fillers und der Dauer der somit erzielten Hautbildverbesserung [36]. Darüber hinaus können klinische Ergebnisse oft sogar nach einer vollständigen Biodegradierung des Fillers beobachtet werden. Das bedeutet, dass ein Filler lediglich einen Mechanismus initialisiert, der zu langfristigen Hautbildverbesserung führen sollte. Es wurde vorgeschlagen, dass die langfristige Wirkung der Weichgewebe-Filler durch eine Modifizierung des benachbarten Fettgewebes realisiert werden sollte [37,38].

 

 

Zusammenfassung

Grenzflächige Adipozyten die sich im oberflächigen Bereich der Subkutis befinden, sollten wesentlich in die Hautalterung involviert werden. Diese Zellen können nicht nur ihre Anzahl und Volumen, sondern auch ihre extrazelluläre Matrix schnell verändern, sowie sich in andere Zellen – vor allem in die fibroblast-ähnlichen Zellen – umwandeln. Diese Prozesse können zu einem räumlich heterogenen Volumenverlust, einer Veränderung des Kollagengehalts im Fettgewebe und zu typischen Hautalterungserscheinungen führen. Weil diese Prozesse zumindest teilweise reversibel sind, können grenzflächige Adipozyten zum wichtigen Ziel in zukünftigen Anti-Aging-Therapien werden.

Korrespondenz-Adresse

Dr. rer. nat. habil. Ilja L. Kruglikov
Wellcomet GmbH
Greschbachstraße 2-4

D-76229 Karlsruhe
i.kruglikov@wellcomet.de

Conflict of Interests

Dr. I. Kruglikov is the managing partner of Wellcomet GmbH.

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