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Injektions-Lipolyse: „Die Fakten sprechen für sich“

Interview mit der medizinischen Direktorin des NETZWERK-Lipolyse, Dr. Margrit Lettko, über die Bewertung der neuesten Statistik, den Lipolyse Report.

 

KosMed: Frau Dr. Lettko, Sie führen alle 3 bis 4 Jahre eine Befragung der Netzwerkmitglieder durch, die Fragen enthält zum Verfahren, zu den Ergebnissen und zu aufgetretenen Komplikationen. Welchen Hintergrund hat die daraus erarbeitete Statistik?

 

M. Lettko: Seitdem für das Netzwerk eine Organisationsstruktur existiert, haben wir unsere Behandlungen untersucht. Bereits 2004, als die Injektions-Lipolyse von vielen Kollegen noch sehr misstrauisch betrachtet wurde, hat unser jetziger Ehrenpräsident Franz Hasengschwandtner eine erste Statistik seiner eigenen Behandlungen veröffentlicht. Diese Veröffentlichung hat uns sehr geholfen. Seitdem haben wir Transparenz zu einer unserer wichtigsten Prinzipien erhoben. Für keine andere Therapie weltweit gibt es derartige Statistiken. Wir sind hier ganz klarer Vorreiter und haben unseren Ansatz bereits für die Mesotherapie multipliziert.

 

 

KosMed: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass für andere Therapien keine aussagefähigen Statistiken vorliegen?

 

M. Lettko: Ich würde Ihre Frage ein wenig einschränken, denn beispielsweise die ISAPS (International Society of Aesthetic Plastic Surgery, Anm. der Redaktion) veröffentlicht jedes Jahr eine Statistik zur Anzahl der durchgeführten Behandlungen. Diese ist auch wichtig, weil sie uns zeigt, wie sich die ästhetische Medizin weltweit entwickelt, wobei hier nur die Plastischen Chirurgen befragt werden, was natürlich eine Verzerrung der tatsächlichen Situation bewirken kann. Das Thema der Komplikationen wird allerdings bei der ISAPS und auch bei vielen anderen Gesellschaften nicht öffentlich behandelt. Dies wäre aber gerade notwendig, wenn Ärzte und Patienten eine umfassende Information über Möglichkeiten und Risiken einer Therapie erhalten sollen. Meiner Ansicht nach kann dies nur über die unabhängigen Gesellschaften erfolgen, denn die Industrie hat keinerlei Interesse daran, beispielsweise die Komplikationen zu erfassen, die mit ihren Materialien oder Geräten hervorgerufen werden. Nur, wenn es ganz extrem wird wie beispielsweise bei den Erblindungen im Nachgang zu Filler Behandlungen, wird dies publiziert. Ich frage zurück: Weiß irgendjemand heute, wie viele Komplikationen auch leichterer Art mit welchen Fillern und welchem eingesetzten Material auftreten? Ein weiteres Thema, was immer verdunkelt wird, ist die Zahl der Therapieabbrecher, die in keiner Statistik auftaucht. Für uns ist Transparenz auch bei unangenehmen Themen deshalb wichtig, weil wir immer darauf bedacht sind, Strategien zur Lösung von Problemen zu entwickeln.

 

 

 

 

KosMed: Wie bewerten Sie selbst ihre letzte Statistik, die 2016 erstmals in Teilen veröffentlicht1 wurde?

 

M. Lettko: Wir haben ca. 2.500 Mitglieder im Netzwerk, davon allein etwa 1.000 in den deutschsprachigen Ländern. 5,3% der Mitglieder haben unseren Fragebogen beantwortet. Das hört sich zunächst nach sehr wenig an. Allerdings muss dabei bedacht werden, dass die Beantwortung einen ziemlichen Zeitaufwand nach sich zieht, denn jeder muss sich einen Überblick über alle mit Injektions-Lipolyse behandelten Patienten verschaffen, also alle Patienten einzeln betrachten. Wenn wir dies berücksichtigen, sind 4% gar nicht mehr so niedrig. Viele Kollegen haben überhaupt nicht die Möglichkeit angesichts der tagtäglichen Belastung, sich mit einem Fragebogen zu beschäftigen, der aus mehr als 20 Fragen besteht, die nicht mal ebenso beantwortet werden können. Ich bin deshalb stolz, dass viele Kollegen die Arbeit auf sich genommen haben. Wir können dadurch die weltweit größte Zahl von Behandlungen überblicken, nämlich ca. 74.000. Ich muss hier von ca. sprechen, weil wir nur die exakte Zahl behandelter Patienten erfasst haben, insgesamt 29.889. Im statistischen Durchschnitt hat jeder Patient 2,5 Behandlungen bis zum endgültigen Ergebnis erhalten, deshalb das ca. vor den 74.000 Behandlungen. Wenn Sie die vorgelegte Zahl mit 20 multiplizieren, kommen Sie in etwa auf die tatsächlich durchgeführten Behandlungen innerhalb des Netzwerks.

 

 

KosMed: Kommen wir zum ersten wichtigen Thema Ihrer Statistik: Welche Regionen des Gesichts und Körpers sind besonders gut für die Lipolyse geeignet?

 

M. Lettko: Im Gesicht – wen wundert es – ist das Doppelkinn klarer Favorit, gefolgt vom Kinn und den Hängebäckchen, am Körper sind dies Bauch, Love-Handles und Schenkel. Das Doppelkinn ist auch in meiner persönlichen Einschätzung einfach eine ganz hervorragende und dankbare Region, die sich mit keiner anderen Therapie so gut behandeln lässt wie mit Injektions-Lipolyse. Ich selbst bin allerdings nicht ganz einverstanden mit der abgebildeten Reihenfolge: Im Gesicht finden nur 3% die Behandlung der Nasolabialwulst sinnvoll. Dies finde ich sehr schade, weil diese Region sich sehr gut behandeln lässt und in Kombination mit Fillern meiner Ansicht nach hervorragende Resultate liefert. Ich kann zwar verstehen, dass der Abdomenbereich bei den Behandlungen des Körpers die meisten Fans hat, allerdings bevorzuge ich selbst eher kleinere Regionen wie die Hüften oder die Rückenwülste. Ein Ergebnis dieser Statistik war deshalb für uns, die Teilnehmer unseres Hands-On Trainings nochmals für einige unserer Ansicht nach wichtige Regionen zu sensibilisieren.

 

 

KosMed: Kommen wir zur Zufriedenheit der Patienten. Welche Erfahrungen können Sie uns hier vermitteln?

 

M. Lettko: Wir haben die Frage auch wieder nach Gesicht und Körper unterteilt. 90% der Patienten waren zufrieden und sehr zufrieden mit den Ergebnissen im Gesicht, zufrieden und sehr zufrieden waren die Patienten zu 85% mit den Körperbehandlungen. Das sind natürlich tolle Ergebnisse. Wir beschäftigen uns inhaltlich allerdings mehr mit den 10% und 15% unzufriedenen Patienten. In dieser Zahl sind auch Therapieabbrecher enthalten. Wir haben aus diesen Ergebnissen die Konsequenz gezogen, unsere Mitglieder noch verstärkter auf die Anwendung unseres Pain und Side Effect Managements hinzuweisen und wir haben das Protokoll für die Gesichtsbehandlungen daraufhin nochmals verfeinert.

 

 

KosMed: Kommen wir nun zu den Komplikationen, die bei Injektions-Lipolyse beobachtet wurden. Welche Einschätzung hat das Medical Advisory Board des Netzwerks dazu?

 

M. Lettko: Zunächst zu den Fakten, denn diese sprechen erstmal für sich: Alle beobachteten Komplikationen liegen im niedrigen Promillebereich. Bis auf zwei Ausnahmen, auf die ich gern gleich noch intensiver eingehen möchte, sind alle Komplikationen vollständig reversibel. Die reversiblen Komplikationen sind bereits allgemein bekannt, weil sie von uns immer veröffentlicht wurden, beispielsweise Knoten oder Hyperpigmentierungen. Eine jetzt erstmals erfasste Komplikation sind nach ca. 10 Tagen auftretende Rötungen im Behandlungsareal, die wir in Unkenntnis der Ursache zunächst als postallergisch eingestuft haben. Unsere Hypothese dazu ist, dass durch die Zerstörung der Fettzellmembranen im Fett eingelagerte Stoffe freigesetzt werden, die diese Rötungen hervorrufen. Diese Komplikation ist allerdings gut mit dem von uns entwickelten Protokoll behandelbar. Kommen wir nun zu den zwei Ausnahmen, die nicht vollständig reversibel sind.

 

 

KosMed: Welche sind dies?

 

M. Lettko: Dies sind Abszesse und Nekrosen. Nekrosen wurden bei jeder 25.000sten Behandlung, Abszesse etwa doppelt so häufig beobachtet. Zum einen ist dies ein sehr gutes Risikoprofil im Vergleich mit anderen Therapien, zum anderen ist es für uns Ansporn, dass wir uns gerade mit diesen beiden Komplikationen genauer beschäftigen, denn unserer Ansicht nach ist eine Nekrose eine Nekrose zu viel. Wir haben deshalb die einzelnen Fälle genau analysiert. Die Entstehung von Abszessen ist abhängig von der hygienischen Situation. Wenn Sie bei unserer Maximaldosis bis zu 200 Injektionen setzen ist eine gute Hygiene und die Einhaltung steriler Bedingungen in der Behandlungsregion absolute Notwendigkeit. Mittlerweile gehen wir sogar soweit, die Patienten zu bitten, frisch gewaschene Kleidung für die behandelte Region mitzubringen. Die Ursachen für Nekrosen konnten wir genauer benennen: Schlechte Durchblutung im behandelten Areal, Druck auf die behandelte Region oder Reibung konnten klar als Ursachen benannt werden. Auch daraus haben wir unsere Konsequenzen gezogen. Wir haben unsere Anweisungen zum Patientenverhalten nach der Behandlung nochmals überarbeitet. Seit 2015 wurde uns nur noch eine einzige Nekrose gemeldet. Wenn Sie jetzt noch bedenken, dass nur 5,3% der Mitglieder geantwortet haben, ist die Zahl schwerer Komplikationen nochmals weit niedriger einzuschätzen, denn in der Regel werden wir bei schweren Komplikationen informiert und schalten uns in das Komplikationsmanagement ein über unsere Hotline.

 

 

KosMed: Sie hatten auch die Frage gestellt, was das wichtigste für die Komplikationsvermeidung ist. Was sagen die Mitglieder dazu?

 

M. Lettko: 75% der Befragten empfehlen eine bessere Patientenauswahl und 60,9% die strikte Einhaltung unserer Behandlungsprotokolle. Ich finde diese Hinweise richtig und gut. Auch diese Hinweise unserer Mitglieder haben noch stärker Eingang gefunden in unsere Trainings, aber auch in unsere Empfehlungen. Ich beispielsweise bin sehr restriktiv, wenn ein Mitglied fragt, ob es jemanden behandeln kann, der eine Erkrankung hat, denn ich bin der Meinung, dass die beste Art der Vermeidung von Komplikationen in der Ästhetik die ist, nur ganz gesunde Patienten zu behandeln.

 

 

KosMed: Frau Dr. Lettko, danke für das erhellende Gespräch.

Literatur:

1. Weidmann M, Lettko M, Prantl L (2016) Injektionslipolyse. J Ästhet Chir DOI 10.1007/s12631-016-0047-2.

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